RuH - Sie haben mächtige Hörner und sehen gefährlich aus, aber obwohl sie praktisch ihr ganzes Leben auf der Weide verbringen, sind die Highland Cattles - zumindest gegenüber Menschen, die sie kennen - sehr friedlich.
RuH - Christian und Sarah Grommes mit Töchterchen Jana

Weit und breit einzigartig

Hermeskeil

Bescheider Landwirt schlachtet Rinder per Weideschuss

Eine Mehrheit der Menschen betrachtet Fleisch als wichtigen Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Der Fleischkonsum ist deshalb nicht nur in Deutschland relativ hoch. Zwar steigt die Zahl derjenigen, die sich rein pflanzlich ernähren, jedoch liegt der Anteil der Vegetarier und Veganer in Deutschland nach einer einschlägigen Internetseite derzeit nur bei knapp über 10 Prozent. Im Klartext: Der weitaus größere Teil der Deutschen will (noch) nicht auf Fleisch verzichten.

Doch immer mehr Fleischesser stören sich an Massentierhaltung, Turbo-Mast und Schlachtstress insbesondere bei Rindern und Schweinen. Die sogenannten „Flexitarier“ - das sind nach einer Umfrage mehr als die Hälfte der Deutschen - schränken ihren Fleischkonsum deshalb bewusst ein, essen also weniger Fleisch.

Der Handel zieht daraus Konsequenzen und schafft zumindest im Bereich von Schweinen und Geflügel Initiativen wie „Tierwohl“. Es mag dahingestellt bleiben, ob dieser Begriff angebracht ist, wenn es um das Töten von Tieren geht; diese Frage soll hier aber nicht diskutiert werden. Doch damit ein Stück Fleisch auf dem Teller landet, muss nun einmal zuerst ein Tier sterben. In der „industriellen Fleischfabrikation“ werden hierzu Tiere, die ihr Leben meist ausschließlich im Stall verbracht haben, mit Viehtransportern oft über lange Strecken zu einem Schlachtbetrieb gebracht, wo sie dann „maschinell hingerichtet“ werden - für die Tiere Angst und Stress pur. Wie es dort mitunter zugeht, war vor nicht allzu langer Zeit anschaulich im Fernsehen in einer Reportage mit versteckter Kamera eindrucksvoll zu sehen.

Ganz anders sieht es dagegen auf dem Hof der Familie Grommes in Bescheid aus: Hier wird - einmalig in unserer weiteren Region - der sogenannte „Weideschuss“ praktiziert. Tiere, die ihr ganzes Leben - und das dauert hier im Gegensatz zu den meisten Mastbetrieben mehrere Jahre - in artgerechter Umgebung ganzjährig auf der Weide verbracht haben, sterben hier in ihrer gewohnten Umgebung. Stresshormone und Medikamente sind im Fleisch dieser Tiere definitiv nicht enthalten.

Christian und Sarah Grommes bewirtschaften in dem Hochwalddorf unter dem Namen „Highland Cattle Hochwald“ einen Bio-Nebenerwerbsbetrieb nach strengen EG-Öko-Richtlinien. Auf den großzügigen Weiden auf den Gemarkungen Bescheid und Lorscheid leben Rinder der Rassen „Highland Cattle“ aus Schottland und „Aubrac“, die aus dem französischen Zentralmassiv stammen - beides besonders robuste Tiere, denen draußen auf der Weide auch die bittere Kälte nichts ausmacht. „Nach EU-Vorschriften mussten wir auf der Weide einen Unterstand bauen, aber die Rinder benutzen ihn gar nicht, egal wie das Wetter ist“, erklärt Christian Grommes.

Auch einige Exemplare des Schwäbisch-Hällischen Landschweins bevölkern den Hof. Allerdings sind die bei der derzeitigen Witterung in einem offenen Stall untergebracht. Von Frühjahr bis Herbst dürfen sie aber nach Herzenslust auf der Weide wühlen und sich suhlen.

Die Erlaubnis zum Weideschuss war gar nicht so einfach zu bekommen. Ihr ging ein langwieriges Prüfungs- und Genehmigungsverfahren voraus, und zwar nicht nur auf veterinärrechtlicher, sondern natürlich auch auf waffenrechtlicher Ebene. Besonders die Waffenaufsichtsbehörde sei lange skeptisch gewesen, weil es keinen vergleichbaren Fall im Landkreis gab. Es habe deshalb hier viel Zeit und Überzeugungsarbeit bedurft. Dagegen habe man, so Sarah Grommes, sehr viel Unterstützung von der zuständigen Veterinärin erhalten.

Wie muss man sich das Verfahren mit dem Weideschuss vorstellen?

Von einer etwa vier Meter hohen Plattform aus wird das ausgesuchte Tier, das zuvor angelockt wurde, mit einem präzisen Gewehrschuss erlegt. Entgegen den anfänglichen Befürchtungen gibt es dabei unter den anderen umstehenden Tieren keine Panik: „Die stören sich überhaupt nicht daran“, erzählen Sarah und Christian Grommes. Das mindestens völlig betäubte, wenn nicht bereits tote Tier wird danach aufgehängt, die Halsschlagadern werden geöffnet, das Blut wird in einer Wanne aufgefangen und später entsorgt.

Früher wurden die Schlachttiere dann in einen Schlachtbetrieb gebracht, wo sie fachgerecht zerlegt wurden. Seit Ende 2017 hat Familie Grommes aber in Bescheid eine eigene Hofschlachtstätte, die mit allem Notwendigen ausgestattet ist. Die Fähigkeit und die Erlaubnis zum Schlachten hat der Landwirt in den vergangenen Jahren in Kursen erworben. Die Rinderhälften hängen in der eigenen Kühlung, wo das Fleisch nach eigenen Vorstellungen lange und ausgiebig reifen kann. Alles - Weideschuss und Schlachtvorgang - geschieht in enger Abstimmung mit dem Veterinäramt. Sarah und Christian Grommes: „Alle Beteiligten sind immer wieder erstaunt, wie ruhig und stressfrei die Herde auf den Schuss reagiert“.

Angefangen hatten die beiden eigentlich zur Selbstversorgung. Inzwischen steht unterhalb des Bescheider Friedhofs eine große Halle für Traktoren, Maschinen und Geräte sowie Winterfutter. Eine größere eigene Wurstküche steht kurz vor der Fertigstellung. Die natürliche und artgerechte Haltung der Rinder und auch der Weideschuss garantieren einen besonders natürlichen Geschmack des Fleischs, das Familie Grommes in allen Variationen anbietet, allerdings nicht in einem eigenen Hofladen. „Kunden können jederzeit bei uns anrufen und fragen, was wir aktuell vorrätig haben oder sie können zur nächsten Weideschlachtung vorbestellen“, sagt Sarah Grommes. Das Fleisch ist bei Abholung bereits vakuumverpackt und beschriftet. Da hier keine Massentierhaltung betrieben wird und die Schlachttermine unregelmäßig fallen, ist allerdings nicht immer alles auf Lager.

Eine besondere Delikatesse, so Christian Grommes, sind die selbst produzierten Hamburger mit eigens dafür von einer Reinsfelder Bäckerei hergestellten Brötchen: „Auf dem Hermeskeiler Bauernmarkt kommen wir mit der Produktion fast nicht nach, weil die Leute praktisch den ganzen Tag Schlange stehen.“ WIL-

Infos im Internet: www.highlandcattlehochwald.de

Kontakt: 0174-9121206

Artikel veröffentlicht am von Rund um Hermeskeil 10 / 2018