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Ausstellung im Kulturhaus Mestlin

Goldberg

1990 - Systemunabhängige Kunstpositionen in den letzten Jahren der DDR

Beteiligte Künstler: Micha Brendel, Auto-Perforations-Artisten, Tina Bara, Jörg Herold, Uta Hünniger, York der Knöfel, Lücke-TPT, Oskar Manigk, Holger Stark, Michael Wirkner

Am 3. Oktober 2020 wird in Deutschland der Tag der Deutschen Einheit gefeiert - ein auch für den Ort Mestlin in vielerlei Hinsicht denkwürdiger Feiertag. Als ein ehemaliges DDR-Musterdorf erlebte Mestlin in den vergangenen drei Jahrzehnten alle Höhen und Tiefen der Transformation des gesellschaftlichen Lebens vom sozialistischen Kollektivismus bis zum kapitalistischen Individualismus.

Als markantes Denkzeichen dieses Prozesses steht im Zentrum des Dorfes das Kulturhaus Mestlin. 1953 bis 1957 im Stile des sogenannten Stalin-Barock errichtet, stand es nach 1990 jahrelang leer. Der 2008 gegründete Verein Denkmal Kultur Mestlin e. V. bemüht sich um den Erhalt dieses denkmalgeschützten Gebäudeensembles sowie eine Belebung dessen kultureller Nutzung.

Bewusstmachung von gelebter Geschichte ist unumgänglich um ein ideologisch so durchtränktes Gebäude wie das Kulturhaus Mestlin empfänglich zu machen für die Wirksamkeit eines nach Offenheit strebenden Gedankengutes.

Das Kunstprojekt „19 90“ konfrontiert das architektonische Sinnbild einer staatlich reglementierten Politik mit alternativer Kunst. Kein kunstwissenschaftlich abwägender Blick, sondern eine zutiefst subjektive künstlerische Interpretation der letzten Jahre der DDR ist das Thema der Ausstellung. Kurator ist der in Plüschow lebende bildende Künstler Udo Rathke, der als Kunststudent in Berlin und als junger Künstler in Mecklenburg den Wandel der Kunstszene damals miterlebt hat.

Udo Rathke wählte für sein künstlerisches Zeitpanorama Künstlerinnen und Künstler aus, die im Gesamtgefüge von staatlicher Bevormundung der DDR und individueller Beharrlichkeit durch eine stringente künstlerische und menschliche Selbstbehauptung in der „bleiernen Zeit“ hervortraten.

Ergänzt wird diese individuelle Sicht mit einer Zeitdokumentation auf großformatigen Text-Bild-Layouts auf denen chronologisch von 1972 bis 1991 Ereignisse der alternativen Kunstszene Ereignissen der offiziellen Kulturpolitik gegenübergestellt werden.

Ein Klangraum im großen Saal wird eine subkulturelle punkige Club-Atmosphäre vermitteln. Im Ausstellungszeitraum sind mehrere Veranstaltungen geplant, die durch einen Blick auf 1990 einen Ausblick nach vorn provozieren wollen.

Kulturhaus Mestlin, 19374 Mestlin, Marx-Engels-Platz 1

Eröffnung:

27.06.2020, 15:00 Uhr

Öffnungszeiten:

28.06. - 02.08.2020,

Mittwoch bis Sonntag jeweils 11:00 - 17:00 Uhr

Artikel veröffentlicht am 2020-06-12T00:00:00.000+00:00 von Heimatbote 6 / 2020