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Entspannte und trotzdem aufmerksame Zuhörer lauschten den Referenten.
Dr. Iris Kroeger, Stadtverwaltung Andernach, referierte über nachhaltige Stadtentwicklung.

Andernach ist Front-City des internationalen Projektes „EdiCitNet“

Andernach

EU fördert das Konzept „Essbare Stadt“ mit insgesamt 12 Mio. Euro

ANDERNACH. KS. Immer noch sind viele Andernacher Bürger der Meinung, dass das Konzept „Essbare Stadt“ nur die Entwicklung und Bepflanzung städtischer Grünflächen zum Ziel hat, auf denen sie kostenfrei Obst und Gemüse ernten dürfen. Diese Sichtweise entspricht jedoch nur einem Teilziel des Konzepts. Der Begriff „Essbare Stadt“ steht im Kern für die Erforschung und Implementierung essbarer Lösungen zur Erreichung von Zielen der Nachhaltigkeit, Biodiversität und urbanen Landwirtschaft - solche essbaren Lösungen haben einen ökologischen, ökonomischen und sozialen Nutzen.

Die Europäische Kommission hat die Bedeutung des Konzeptes „Essbare Stadt“ für eine umweltgerechte und nachhaltige Entwicklung des urbanen Raums erkannt und im September vergangenen Jahres unter Führung der Berliner Humboldt Universität das Projekt „EdiCitNet“ (Integration Edible City Solutions for Social Reslient and Sustainably Productive Cities) gestartet. Fünf Jahre beträgt die Laufzeit des Projekts, das die EU mit rund 12 Million Euro fördert: 716.230 € der EU-Fördermittel erhält die Stadt Andernach. Insgesamt nehmen 33 europäische und außereuropäische Städte und Forschungseinrichtungen an dem Projekt teil. Sie bilden ein offenes und partizipatorisches Netzwerk, das nach einer gemeinsamen Methodik essbare Lösungen systematisch erforscht, um diese im Erfolgsfall in ihre jeweilige Stadtentwicklungsplanung zu integrieren.

Andernach zählt mit Rotterdam, Oslo, Heidelberg und Havanna zu den Vorreiterstädten (Front-Runner-Cities), denen innerhalb des EdiCitNet-Projektes eine besondere Rolle zukommt: In ausgewählten Gebieten dieser Städte sollen im Rahmen von Pilotprojekten „Real-Labore“ entstehen, in denen unter Realbedingungen wissenschaftliche Erkenntnisse geprüft werden, um sie danach auf die am Projekt beteiligten Folgestädte (Follower Cities) zu übertragen: Berlin Deutschland), Letchworth (England), Montevideo (Uruguay), Karthago (Tunesien), Lomé (Togo) und andere.

In Andernach entsteht momentan das Real-Labor auf einer ca. 8.000 m² großen Fläche zwischen Schwimmbad und Jugendzentrum. Diese Ortswahl ist u.a. darauf zurückführbar, dass der Fokus des hiesigen Real-Labors auf der Integration von Jugendlichen und Kindern in das Projekt liegt. In enger Zusammenarbeit mit dem benachbarten Jugendzentrum soll dieses zu einem wichtigen Ausgangspunkt für die Entwicklung und Umsetzung künftiger Vorhaben werden. In weiteren Schritten sollen Schulen, Kitas und Bürger eingebunden werden.

Neben sozialen Zielen - die Pflege der Laborfläche wird durch die „Perspektive GmbH“ sichergestellt - soll der Schwerpunkt der Laboraktivitäten auf dem Themenbereich Biodiversität liegen. Andernach möchte die EU-Projektmittel nicht nur zum flächenmäßigen Ausbau der „Essbaren Stadt“ nutzen, sondern sie auch zur Ausdehnung des Projekts in soziale, bildungspolitische und ökologische Bereiche einsetzen. Die weitgehende Vernetzung der beteiligten Forschungseinrichtungen eröffnet dazu neue Möglichkeiten. Die städtischen Grünflächen sollen durch Maßnahmen zu ihrer Umgestaltung an Ästhetik und Multifunktionalität gewinnen.

Ein komplexes internationales Projekt wie „EdiCitNet“ benötigt für eine koordinierte Zusammenarbeit Visionen, Strategien und weitere Handlungsrahmen. Diese zu erarbeiten war vorrangiges Ziel eines Treffens, zu dem sich vergangene Woche für vier Tage 43 Teilnehmer aus 10 Projektstädten und 14 beteiligten Forschungsinstituten in Andernach getroffen haben - darunter weitgereiste Teilnehmer aus Togo und Uruguay. Die in der Permakultur im Stadtteil Eich erarbeiteten Ergebnisse werden hoffentlich zeitnah und ausführlich der Öffentlichkeit vermittelt, damit diese ein komplettes Bild von dem Inhalt und der Bedeutung des Konzeptes „Essbare Stadt“ erlangt, ohne das eine Projektakzeptanz der Bürger nur schwer erreichbar ist.

Artikel veröffentlicht am 13.05.2019 von Andernach aktuell 20 / 2019