Das Team des Stadtarchivs Felsberg bei seiner Wanderung zur Klosterruine „Kartause“. Anlass war die 800-jährige Geschichte des Klosters.​

800 Jahre Geschichte von Stift und Kartause bei Gensungen

Felsberg

Was heute ganz allgemein als die Klosterruine der „Kartause“ bei Gensungen bekannt ist, konnte exakt am 3. März dieses Jahres auf eine 800-jährige Geschichte zurück blicken. Das war Anlass für das Team des Stadtarchivs Felsberg, dieses Jubiläum zum Ziel seiner Winterwanderung zu machen.

Klaus Winter hatte sich auf einen kurzen Vortrag vorbereitet und führte die Wandergruppe in das Leben der Nonnen auf dem Eppenberg ein, die dort nur 200 Jahre bleiben durften und dann von Kartäuser Mönchen aus Erfurt abgelöst wurden.

(Quelle: Gisela Heimreich „Stift und Karause Eppenberg“)

Schon 1217 hatte der Landgraf von Thüringen dem Probst des Stiftes der Prämon-stratenserinnen auf dem Ahnaberg bei Kassel die Genehmigung zum Bau einer Filiale auf dem Eppenberg bei Gensungen erteilt. Auf dem Ahnaberg herrschte Platznot, und so wurde hier eine Filiale für zwölf Nonnen und eine Meisterin (Magistra) errichtet. Und just an jenem 3. März 1219 - also vor nunmehr genau 800 Jahren - hat der Erzbischof von Mainz in einem Brief das Mutterkloster und ausdrücklich auch die Filiale auf dem Eppenberg unter seinen Schutz gestellt.

Die Filiale blieb fortan trotzdem streng an das Mutterkloster gebunden. So gab es die Verpflichtung, den Probst vom Ahnaberg jährlich vier Mal für einen Tag und zwei Nächte aufzunehmen und standesgemäß zu bewirten. Außerdem hatten ihm die Nonnen ein Pferd oder Geld zu stellen für die jährliche Reise zum Generalkonvent des Ordens in Prémontré in Nordfrankreich.

Berichtet wird, dass den Landgrafen der Lebenswandel der frommen Frauen nicht gefallen habe. Aber diese waren wohl zu selbständig und selbstbewusst geworden. Sogar einen Prozess gegen den Landgrafen hätten sie angestrengt.

Jedenfalls auf Betreiben der Landgrafen von Hessen habe der Papst im 15. Jahrhundert das Nonnenkloster auf dem Eppenberg aufgehoben und Mönche des Kartäuser Ordens aus Erfurt dort eingesetzt.

Diese blieben dann bis zur Reformation in Hessen 1527. Sie konnten sich danach frei entscheiden, ob sie zu dem neuen Glauben übertreten oder in andere Klöster wechseln wollten oder ganz aus dem strengen Klosterleben ausscheiden wollten.

Bedauert hat die Wandergruppe, dass es zu keiner Epoche von Stift Eppenberg oder Kloster „Kartause“ Pläne oder auch nur Skizzen zu den Gebäuden gegeben habe. Bekannt sei dagegen, dass die hessischen Landgrafen das Kloster nach dessen Aufhebung mehrfach umgebaut hätten. Wenn einmal die verschütteten Mauerreste freigelegt würden, wären Überraschungen ganz sicher.

Klaus Winter
Artikel veröffentlicht am von Felsberger Nachrichten 10 / 2019