„Wonach wir suchen“
An mehreren Ständen gab es Infos, unter anderem zu den Bands, zur Gedenkstätte Bergen-Belsen, Fridays for Future oder auch den Aktivitäten im Bunten Haus Celle.
Unter den Eichen im Heisterkamp fand das Festival statt.
Aliens Incognito
Aliens Incognito

Weitgereiste Bands vor wenig Publikum bei Festival der Vielfalt in Bergen

Bergen

BERGEN. An der Qualität der Bands dürfte es nicht gelegen haben, dass beim „Festival der Vielfalt“ am 24. August die Besucherzahl überschaubar war. Von 17 Uhr bis in die Nacht präsentierten sich durchaus namhafte Gruppen wie „Wonach wir suchen“ aus Leipzig, Antillectual aus den Niederlanden oder Kopfecho aus Düsseldorf auf der Bühne im Heisterkamp. Zum Auftakt hatten die Hamburger Band „Morning Lake“, die aufgrund der Erkrankung dreier Bandmitglieder nur mit einem Solisten auftretende Punkband „Circus Rhapsody“ sowie „Aliens Incognito“, eine Inklusionsband aus Berlin, für Stimmung gesorgt.

Das Festival stand unter einem klaren politischen Motto: „Ja zu Vielfalt, Offenheit und Demokratie - nein zu Rassismus, Antisemitismus und Gewalt“, wie der Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Jens-Christian Wagner in seiner Ansprache zu Beginn deutlich machte. „Nur wenige Kilometer von hier, in der Gedenkstätte Bergen-Belsen kann man lernen, was es bedeutete wenn eine Gesellschaft trennt zwischen ‚Volksgenosse‘ und ‚Gemeinschaftsfremden‘, wenn Menschen, die eine andere Religion haben, die andere Meinungen vertreten, die einen anderen Lebensstil haben, die ‚krank‘ und nicht ‚produktiv‘ sind oder die aus anderen Gründen als fremd, schädlich für die Gemeinschaft angesehen werden, wenn diese Menschen weggesperrt und am Ende ermordet werden“, so Wagner.

Als Stellvertreter des Bürgermeisters begrüßte Peter Meinecke die Besucher, deren Altersspanne die Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen teilweise deutlich überschritt.

Organisiert wurde das Festival vom Jugendforum Bergen in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte. Das Jugendforum wiederum hat sich gebildet weil sich die Stadt Bergen am Bundesprogramm „Demokratie leben“ beteiligt, aus dem Projekte finanziert werden können. „Ich finde es super, wenn man selbst die Möglichkeit hat, was zu organisieren“, sagt Mascha Kerstan. Die 20-jährige Studentin ist Mitglied im Forum und hat unter anderem an der Auswahl der Bands mitgewirkt. „Aliens incognito“ zum Beispiel habe sie im Urlaub gehört und sei beeindruckt gewesen, von deren Schlagzeuger, der ohne Arme spielt.

Flankiert wird das Festival der Vielfalt von einigen Ständen, an denen sich das Bunte Haus Celle, die Organisation „Jugend rettet“, Fridays for Future Celle oder auch die Gedenkstätte Bergen-Belsen vorstellen. Spätestens mit Einbruch der Dunkelheit sammelt sich dann doch eine Schar von Zuhörern vor der Bühne, vereinzelt wird getanzt. „Sowas muss sich erst etablieren“ ist Jens-Christian Wagner im Hinblick auf die Besucherzahl überzeugt. Umso höher ist den Bands anzurechnen, dass sie laut den Veranstaltern allesamt auf ihre Gage verzichtet haben.

„Wonach wir suchen“

Text und Fotos: Susanne Zaulick
Artikel veröffentlicht am 12.09.2019 von Bergener Rundschau 9 / 2019