Eine der ältesten Aufnahmen aus der Geschichte des SCN: die Turnriege von 1925.
1935 baute der SCN ein Schwimmbad am Brohlbach, das bis in die 50er-Jahre in Betrieb war.
Aus der starken B-Jugend, die 1956 Kreismeister wurde, gingen langjährige Leistungsträger des SCN hervor.
Die 1. Mannschaft in den 1960er-Jahren.

Von der Alemannia zum SCN

Niederzissen

NIEDERZSSEN. hwk. Mit einem dreitägigen Festprogramm feierte der Sportclub Niederzissen (SCN) am Wochenende sein 100-jähriges Bestehen. Der größte Ortsverein der Gemeinde hat im vergangenen Jahrhundert immer auf Breitensport und nicht nur auf die Karte Fußball gesetzt - wenn auch nicht von Beginn an unter dem heutigen Namen. Ein Blick in die abwechslungsreiche SCN-Geschichte.

Unterlagen aus der Gründungszeit liegen nicht mehr vor, doch es ist unstrittig, dass auch vor 1919 in Niederzissen schon Fußball gespielt wurde. Es waren wohl entlassene Kriegsgefangene, die in England, dem Mutterland des Fußballs, auf den Geschmack gekommen waren und am ehemaligen Vereinshaus in der Horststraße erste Fußballversuche unternahmen. Die Dorfjugend fand Gefallen am neuen Spiel, und so wurde am 10. August 1919 der FC Alemannia Niederzissen gegründet. Einen organisierten Spielbetrieb gab´s noch nicht, zu auswärtigen Freundschaftsspielen fuhr die Mannschaft auf geschmückten Pferdewagen.

Am 8. Mai 1921 wurde auch ein Turnverein aus der Taufe gehoben, der sich am 1. August 1923 mit der Alemannia unter einem neuen Namen zusammenschloss: Turn- und Sportverein Niederzissen. Dem Verein gehörte auch ein eigener Tambourzug an. Den Fußballern fehlte damals allerdings noch ein geeignetes Spielfeld, sodass die wenigen Begegnungen auf einem Wiesengrundstück im Krater Bausenberg stattfanden. Am 3. Oktober 1927 aber konnte eine erste Parzelle an der Straße nach Oberzissen erworben werden, wo in viel Eigenleistung mit Pickel und Schaufel der Platz angelegt wurde, auf dem der SCN bis zum Beginn der 1980er-Jahre seine Heimspiele austrug und auf dem heute die Seniorenresidenz Villa Romantica steht. Eine Zahl aus der Bauzeit ist überliefert: 2000 Kubikmeter Erde mussten ohne Bagger und Raupe und nur mit Muskelkraft bewegt werden, bis der Platz am 17. Mai 1931 eingeweiht werden konnte.

Am 28. Mai 1935 wurde der Grundstein für den Bau eines Schwimmbades in unmittelbarer Nähe gelegt, das bis in die 1950er-Jahre in Betrieb war. Den Verein brachte das Projekt jedoch an seine finanziellen Grenzen. Im Frühsommer 1938 kam das Vereinsleben zum Erliegen, aber noch im gleichen Jahr gründeten die Fußballer wieder einen Club unter dem alten Namen Alemannia. Wegen des Zweiten Weltkrieges musste er seine Tätigkeit bald aber wieder einstellen.

1945 fand eine Generalversammlung zwecks Wiederaufnahme des Spielbetriebs statt. Auf Veranlassung der Militärregierung musste jedoch ein neuer Vereinsname her. Man entschied sich für „Sportclub Niederzissen“. Sportlich ging´s bald bergauf: Im Spieljahr 1954/55 wurden beide Seniorenmannschaften Meister ihrer Klassen. Noch besser verlief die folgende Spielzeit, als die 1. Mannschaft in die Bezirksliga aufstieg und die B-Jugend Kreismeister wurde. Zwischenzeitlich waren eine Leichtathletik- und eine Tischtennisabteilung gegründet worden. Eine Damen-Handballmannschaft wurde nach schönen Anfangserfolgen jedoch bald wieder aufgelöst.

1975 und 1978 bekam der SCN Zuwachs in Form von zwei schon bestehenden Gymnastikgruppen. 1981 schloss sich auch die schon 1964 gegründete Versehrtensportgruppe dem SCN an. Inzwischen hatten die Arbeiten am neuen Stadion im Heubachtal begonnen, das am 15. August 1981 eingeweiht wurde und mit den leichtathletischen Anlagen jetzt neue Möglichkeiten bot. Mit dem Ergebnis, dass schon bei der Jahreshauptversammlung 1982 60 Sportabzeichen verliehen werden konnten. Das Sporthaus wurde 1983 fertiggestellt, wo der SCN auch einige Jahre lang die Niederzissener Skatmeisterschaften ausrichtete.

Jetzt begann auch die Zeit der geradezu legendären Fußball-Dorfturniere, die einige Jahre lang regelrechte Großereignisse waren, inzwischen aber längst eingeschlafen sind. Ins Jahr 1985 fiel die Gründung einer Damen-Fußballmannschaft, die aber auch nur wenige Jahre lang bestand. Nach 23-jähriger Zugehörigkeit zur A-Klasse gelang der 1. Mannschaft 1986 der Aufstieg in die Bezirksliga. 1987 wurde auch eine Tennisabteilung ins Leben gerufen, die drei Plätze im Heubachtal wurden 1989 fertiggestellt.

1988 fand im und am Stadion erstmals ein Ferienzeltlager statt, eine Veranstaltung, die sich bis heute größter Beliebtheit erfreut und mehrfach vom Sportbund ausgezeichnet wurde. Erst kürzlich nahmen in der ersten Ferienwoche 120 Kinder daran teil. Heute hat der SCN rund 700 Mitglieder, ist mit Abstand der größte Ortsverein und bietet nach wie vor ein breit gefächertes Sportangebot. Seit 2018 gehen die Fußballer in einer Spielgemeinschaft mit dem FV Wehr neue Wege. Schon ein wenig länger sind die Nachwuchskicker im Jugendförderverein Zissen unterwegs, an dem auch der SV Oberzissen, der FV Wehr und der VfR Waldorf beteiligt sind. Seit zehn Jahren können die Fußballer auf einem modernen Kunstrasen spielen. Die benachbarte Großsporthalle komplettiert die hervorragende Infrastruktur.

Artikel veröffentlicht am 14.08.2019 von Olbrück Rundschau 33 / 2019