In Fuldatal ist eine Straße nach Edward Tenenbaum benannt, die einzige dieses Namens in Deutschland. Sie führt in der ehemaligen Fritz-Erler-Kaserne direkt zum „Museum Währungsreform 1948“.
Der damals 26-jährige US-Ökonom und Reserveoffizier zog an entscheidender Stelle in 1948 beim „Konklave von Rothwesten“ die Fäden, als in aller Geheimhaltung die Grundlagen für die neue deutsche Währung, die D-Mark, geschaffen wurde.

Verein Museum Währungsreform 1948 e.V.

Fuldatal
Wer war Edward A. Tenenbaum?

(Ein Stück hochinteressanter deutscher Nachkriegs- und Wirtschafts-Geschichte.)

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt schrieb 1987 in seinem Buch „Menschen und Mächte“: Edward A. Tenenbaum … „verdient ein Denkmal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.“ Zu einem Denkmal hat es nicht gereicht, aber die Gemeinde Fuldatal hat eine Straße nach ihm benannt. Sie führt in der „Fritz-Erler-Anlage“ von der Sonnenallee direkt zum „Haus Posen“.

Im heutigen „Haus Posen“ fand im Frühjahr 1948 das „Konklave von Rothwesten“ statt. Dort, in der Abgeschiedenheit der ehemaligen Fliegerhorst-Kaserne, von US-Truppen belegt, hatten die Amerikaner in völliger Geheimhaltung vom 20. April bis zum 8. Juni 1948 elf deutsche Finanzexperten aus den Ländern der westlichen Besatzungszonen zusammengebracht. Hinter Schloss und Riegel, von US-Militärpolizisten mit Maschinenpistolen bewacht, haben diese unter der Leitung des jungen US-Reserve-Offiziers und exzellenten Volkswirtschaftlers Edward A. Tenenbaum innerhalb von sieben Wochen die gesetzlichen Grundlagen mit allen Verordnungen und Durchführungsanweisungen für die Währungsreform erarbeitet, auf deren Grundlage am 20. Juni 1948 die neue D-Mark zur Auszahlung kam.

Das neue Geld war Ende 1947 bereits in den Vereinigten Staaten gedruckt und per Schiff und Bahntransport in rd. 23000 Kisten über Bremerhaven nach Frankfurt in der US-Zone verbracht worden. Auch dies blieb weitgehend geheim. Warum?

Das alles ist eine verdammt spannende Geschichte aus den Anfängen des Nachkriegs-Deutschlands. Und die kann man ein wenig „erleben“ und nachvollziehen. Wo?

Im „Haus Posen“, so hieß seinerzeit der Kasernen-Block des Wehrmachts-Fliegerhorstes, ist in den tatsächlichen Räumen des Konklaves eine Ausstellung eingerichtet mit informativen Schautafeln über die Entwicklung zur Währungsreform und ihre Auswirkungen bis zu den Anfängen des „deutschen Wirtschaftswunders“, angereichert mit Exponaten wie dem Original-Konferenztisch oder einer Original-Kiste des seinerzeitigen Geld-Transportes sowie viele Einzelheiten der späteren Währungs- und Geldentwicklung, auch in der DDR, bis hin zur Währungs-Union vom Juli 1990 und der Einführung des Euro. Eine Führung beginnt jeweils mit einem Einführungs-Vortrag in die Ereignisse und Vorgänge.

Nicht nur für Besuchergruppen zugänglich, sondern das Ganze ist regelmäßig auch für individuelle Besucher geöffnet am jeweils 1. Samstag im Monat (ausgenommen im Zusammenhang mit Feiertagen), 13 bis 17 Uhr. Geöffnet ist auch ein kleines Museums-Café im nostalgischen Stil. Aber: Gruppen (10-12 Pers.) aus Vereinen, Schulen und andere können sich jederzeit zu einer Termin-Vereinbarung für eine Führung anmelden. (Ab 15 Teilnehmern wird auf Wunsch auch das Café aktiviert.)

Der Eintritt ist frei, eine wohlwollende Spende zur Erhaltung von Ausstellung und Gebäude allerdings ist erwünscht. Adresse: Haus Posen, Edward-Tenenbaum-Str. 1, Fritz-Erler-Anlage , 34233 Fuldatal.

(Telefonische Anmeldungen nimmt Museums-Moderator Hans-Hermann Trost, Tel.: 0561 - 81 12 67 entgegen.)

Artikel veröffentlicht am 13.08.2019 von Fuldatal aktuell 33 / 2019