Stilles Gedenken anlässlich des 75. Jahrestages der KZ-Befreiung Malchow

Waren

Bürgermeister R. Putzar und Pastor E. Kändler hielten Gedenkreden

Malchow (er). Geplant war, am 75. Jahrestag der Befreiung des KZ- Außenlagers in Malchow eine würdige Gedenkveranstaltung durchzuführen. Wegen der Corona-Pandemie hatte der Landkreis die Veranstaltung untersagt. Daher wurde zu einem Stillen Gedenken im kleinen Kreis eingeladen.

Siebzehn Frauen und Männer, darunter das Ehepaar Seiler aus Sandhausen bei Heidelberg trafen sich am Samstagvormittag des 2. Mai 2020 an der am 18. November 2018 eingeweihten Dokumentationstafel auf dem ehemaligen KZ-Areal an der Lagerstraße Inselstadt Malchow.

Bürgermeister René Putzar sagte u. a. in seiner, emotional zu Herzen gehende Gedenkrede: „Es ist auf den Tag 75 Jahre her, dass über 1.000 Frauen endlich von ihrem zum Teil jahrelangem Martyrium befreit wurden. Eingepfercht in Holzbaracken mussten sie täglich unter lebensverachtenden Bedingungen hier an dieser Stelle hausen und wurden zur Zwangsarbeit, unweit von hier, in der Munitionsfabrik der Dynamit AG gezwungen. Endlich war sie nun vorbei, die Qual, die Pein, die menschenunwürdige, ja die menschenverachtende Schikane des Hitlerregimes. Schnell, zu schnell sind unsere Großeltern und Eltern, sind wir alle wieder zur Normalität, zum Alltag zurückgekehrt. Die Spuren und die Reste dieses Lagers, dieses Symbol der Menschenverachtung, wurden im Lauf der Jahre ungenutzt, entfernt oder vergessen. Vergessen bedeutet auch die Gefahr, diese Fehler zu wiederholen. Darum dürfen wir nicht vergessen. Darum wollen wir hier, an dieser Stelle gemeinsam mit Malchower Jugendlichen und aus der ganzen Welt einen Erinnerungsort schaffen, der aufklären und mahnen soll. Gemeinsam mit den Schüler*innen der Fleesenseeschule, mit Verbänden und Vereinen, mit dem Arbeitskreis für Stadtgeschichte und engagierten Bürgern werden wir über ein Zeitraum von mehreren Jahren diesen Ort umgestalten. Neben der Freilegung der Fundamentreste wollen wir das Areal einfrieden. Wir beabsichtigen einen Teil des Stacheldrahtzaunes wieder aufzubauen. Wir wollen aufklären über das, was hier geschehen ist, über das, was an Spuren aus der schrecklichen Zeit noch zu finden ist. Wir werden hier für eine friedvolle Zukunft, für die Gleichheit der Menschen, für Würde und Achtung jeder Religion appellieren. Dafür benötigen wir das Verständnis und die Unterstützung der Politik und unserer Bevölkerung. Es wird eine jahrelange und aktive Auseinandersetzung dauern.“

Danach legten René Putzar und Horst Siggelow, 2. Stadtpräsident, ein Blumengebinde der Stadt und der Stadtvertretung nieder. Ihnen folgten die Stadtvertreter*innen Elke-Annette Schmidt, Die Linke, Hans-Peter Weiß mit Stadtarchivar Dieter Kurth, beide FDP und Anja Speckin, Bündnis 90/Grüne.

Danach ergriff Pastor der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Malchow Eckehard Kändler das Wort und sagte u. a. in seiner Gedenkansprache: „Seit 1943 waren Frauen hier eingepfercht, ihrer Freiheit und Würde beraubt, zur Arbeit gezwungen - und zwar zu einer Arbeit, die dem Tod diente, und die dabei ständig selbst vom Tod bedroht waren. Am 2. Mai 1945 konnten 1.000 Überlebende befreit werden, gezeichnet und innerlich verwundet. Die Stadt Malchow will dieses dunkle Kapitel nicht abschütteln, ja, sie hat sich dessen in den vergangenen Jahren wieder zugewandt. Zum Glück gibt es eine öffentliche Aufmerksamkeit und mutiges Eintreten, wenn die Nazizeit glatt gebügelt werden soll oder herabwürdigende Sprüche in entsprechendem Jargon die Runde machen. Kurz vor den Corona-Beschränkungen waren wir mit mehreren Konfirmandengruppen in der Gedenkstätte im Belower Wald. Man muss erzählt bekommen, was dort vor sich gegangen war auf dem Todesmarsch. Sicherlich, wir können für die damaligen Menschen nichts mehr tun - vielleicht beten, dass das Unrecht hoffentlich nicht alles für sie war.“

Fotos: Erich Rottenau

Artikel veröffentlicht am 23.05.2020 von Müritz Tipp Landkreis Waren 10 / 2020