Die Kulturscheune war wieder gut besucht
Bgm. Spogat begrüßt Prof. Becher
Claudia Heigl (Marburg), Dr. Lothar Jahn (Hofgeismar) und Jochen Faulhammer (Kassel)

Stadtführergilde Fritzlar e.V.

Fritzlar
Ausstellung

„Heinrichs neue Kleider!“

Die von der Maß-Schneider-Innung Nordhessen nachgearbeiteten Gewandungen des 10. Jahrhunderts sind noch bis zum 30. August in der Kulturscheune, Flehmengasse 13 zu besichtigen. Geöffnet von Freitag bis Sonntag: 14:00 Uhr und 17:30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Für Gruppen können abweichende Termine vereinbart werden: info@gilde-fritzlar.de oder Telefon 05622-915972. Das vollständige Programm zur Ausstellung im Internet: www.gilde-fritzlar.de

MUSIK UM 1000

Zaubersprüche, Heldenepen und Choräle

Am 17. August um 20.00 Uhr werden der Sänger Jochen Faulhammer, die Multiinstrumentalistin Claudi Heidl und der Mittelalterspezialist Dr. Lothar Jahn sich gemeinsam der Musik um 1000 widmen. Anlass dafür ist die Ausstellung der Stadtführergilde zum 1100. Jubiläum der Königserhebung Sachsenherzogs Heinrich I. am Königshof zu Fritzlar. Aufführungsort ist die Kulturscheune Fritzlar.

Das älteste Musikstück, das erklingen wird, ist der dem Hymnus "Veni redemptor gentium" des Ambrosius von Mailand aus dem 4. Jahrhundert. Die Künstler machen an verschiedenen Beispielen deutlich, wie die alten Choräle auch die geistige Musik späterer Jahrhunderte prägten. Aber nicht nur christliche Traditionen werden beleuchtet, sondern auch die vorchristliche Heldendichtung: So wird das althochdeutsche Hildebrandslied vorgetragen, dessen Manuskript zu den größten Schätze der Universitätsbibliothek Kassel zählt. Anschließend werden alte Zaubersprüche und Beschwörungsformeln in althochdeutsch erklingen und es wird gezeigt, wie diese Tradition nach der Christianisierung fortgeführt wurde. Noch erstaunlicher ist die Ependichtung "Der Heliand" (um 830), in der die Lebensgeschichte Christi in die frühmittelalterlichen sächsischen Lebenswelt und Mythologie hineingestellt wird. Der erste Teil verklingt mit Werken der byzantinischen Komponistin und Äbtissin Kassia, die ebenfalls im 9. Jahrhundert wirkte. Sie stellt vor allem das Wirken mildtätiger Frauen in den Mittelpunkt ihrer Lieder. Ein Lied widmet sie auch der fünfsaitigen Leier, die neben anderen alten Instrumenten an dem Abend vorgestellt wird.

Im zweiten Teil folgen Lieder und Choräle aus dem 10. und 11. Jahrhundert: Mit dem anonymen "Iam dulcis" und „Aurea personet lyra“ von Fulbert de Chartres (960 - 1128) erklingen Melodien, die die Natur als Sinnbild menschlichen Empfindens deuten, was im Minnesang des Hohen Mittelalters später zum stilprägenden Merkmal werden sollte. Wie die Verlockungen der Liebe auch die Geistlichkeit nicht kalt ließ, beweist das anonym überlieferte Lied „Suavissima nunna“ in einer reizvollen Mischung aus Latein und dem frühen Mittelhochdeutsch. Dem Kleriker Abaelard wurde die Liebe zu seiner Schülerin Héloise zum Verhängnis: An sein tragisches Schicksal erinnern wir mit einem Lied aus seiner Feder. Die drei Musiker beschließen das Programm mit einer Sequenz aus der Feder des 840 geborenen Abtes von St. Gallen Notker Balbulus: Sein „Media vita in morte sumus“, dessen Text die Vorlage dem Lutherlied "Mitten wir im Leben sind" als Vorlage dient, bleibt Mahnung zur Demut und Dankbarkeit für jeden neuen Tag.

Samstag, 17. August, Beginn: 20:00 Uhr (Einlass ab 19:00 Uhr) Kulturscheune Fritzlar, Flehmengasse 13, Eintritt frei

Szenenspiel

DES KÖNIGS NEUE KLEIDER

Geschichte kann richtig Spaß machen: Sehenswert und unterhaltsam bringen Mitglieder der Theatergruppe KultT und der Stadtführergilde gemeinsam die Ereignisse um die Königserhebung des Jahres 919 in Fritzlar auf die Bühne. Aus Sicht der Einwohner Frideslars hat Autor und Gästeführer Stefan Jäger ein Szenenspiel geschrieben und inszeniert. Nach dem großen Erfolg während der Vernissage und bei den Teilnehmern am Hessischen Gästeführertag wird das humorvolle Theaterstück noch zweimal für alle zu sehen sein.

Sonntag, 18. August, Beginn: 18:30 Uhr (Einlass ab 17:30 Uhr) Kulturscheune Fritzlar, Flehmengasse 13, Eintritt frei

Freitag, 23. August, Beginn: 19:30 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr) Kulturscheune Fritzlar, Flehmengasse 13, Eintritt frei

Historische Lesetour

mit Heiko Schimmelpfeng & Marcus Angebauer

Auch auf der Zielgeraden der Ausstellung noch ein kultureller Leckerbissen: Heiko Schimmelpfeng und Marcus Angebauer, ein in der Region bekanntes Vorleser-Duo, laden für den 24. August zu einer historischen Lesetour mit kuriosen Geschichten, feinsinnigen Betrachtungen und interessanten Ausflügen in die Weltliteratur ein. Beide sind besonders den Lesern des (k) KulturMagazins wohl bekannt. Marcus Angebauer lebt in Kassel und hat nach langjähriger journalistischer Tätigkeit in den Lehrerberuf gewechselt. Heiko Schimmelpfeng ist Redakteur des (k) KulturMagazins und in Bad Arolsen aufgewachsen. Die beiden Vorleser touren seit vielen Jahren mit wechselnden literarischen Programmen durch die Region und waren zuletzt eindrucksvoll in der Kurie in der Fischgasse zu erleben.

24. August, Beginn: 20:00 Uhr (Einlass ab 19:00 Uhr) Kulturscheune Fritzlar, Flehmengasse 13, Eintritt frei

Rückblick HEINRICH I. - KÖNIG EINER WENDEZEIT

Aus Anlass der 1100. Wiederkehr der Königserhebung des Sachsenherzogs Heinrich hielt Prof. Dr. Matthias Becher (Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn) am Donnerstag, dem 8. August, einen wissenschaftlichen Vortrag über die Zeit Heinrichs und die Vorgänge in der Pfalz zu Fritzlar. Das Aussterben der ostfränkischen Karolinger hatte eine schwere Krise des Reiches ausgelöst, die nur durch eine fundamentale Neuorganisation seiner politischen Ordnung zu bewältigen war. Prof. Dr. Becher wirkte von 1989 bis 1998 als wissenschaftlicher Assistent und Oberassistent an der Universität Paderborn und ist seit 1998 Professor für mittelalterliche und neuere Geschichte an der Universität Bonn. Becher ist führender Experte für die Zeit der Merowinger, Karolinger und ein ausgewiesener Kenner der ottonischen Geschichte, den die Fachwelt als wissenschaftlichen Beirat größerer Ausstellungen und Verfasser zahlreicher Monografien kennt.

Artikel veröffentlicht am 13.08.2019 von Wochenspiegel Dom- und Kaiserstadt Fritzlar 33 / 2019