Schifffahrts- und Heimatmuseum Aken (Elbe)

Aken

Fundstück des Monats April

Das aktuelle „Fundstück des Monats“ im Museum beschäftigt sich diesmal mit einem Text zur Ausgrabung im Bereich der Schule am Burgtor im Jahr 2012. Da diese Beschreibung so ausführlich noch nicht vorlag, bereichert auch sie natürlich das „Stadtgedächtnis“. Und das in einer Epoche, dem Mittelalter/frühe Neuzeit, über die sonst nicht so oft Neues zu erfahren ist.

Besonders interessant ist hier der archäologische Nachweis der drei historischen Brandkatastrophen im direkten Befund. Und vielleicht tröstlich in Zeiten unserer heutigen Katastrophen; auch früher schon wurde jedes Mal wieder aufgebaut – und damals gab es keine weiterhin geöffneten Lebensmittelgeschäfte etc.

Die Ausgrabungen am Akener Burgtor 2012

An der Stelle der jetzigen Sekundarschule stand im 14. Jh. die Burg Aken, die 1485 einem Brand zum Opfer fiel. Im Vorfeld der Erweiterung der Sekundarschule fand 2012 eine einmonatige Ausgrabung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt statt. Besonders spannend war, dass auf dem Gelände von 470 m² drei Brandphasen archäologisch dokumentiert werden konnten, die nach Aussage des datierenden Fundmaterials den drei historisch überlieferten Akener Brandkatastrophen entsprechen.

Im Südwesten der Fläche konnten die Reste eines Holzgebäudes mit Backsteinofen erfasst werden, das dem Brand von 1121 zum Opfer fiel. Die Zerstörungswucht des großen Stadtbrands von 1485 manifestiert sich im archäologischen Befund nicht nur dadurch, dass unter der Brandschicht kaum noch identifizierbare Einzelbefunde wie Gebäude oder Gruben dokumentiert werden konnten, sondern im Wesentlichen durch eine mehrere Dezimeter mächtige Planierschicht. Die Ausgrabungen zeigten aber auch, dass nach dem großen Brand ein sofortiger Wiederaufbau erfolgte. Insbesondere wurden die Neubauten nach Aussage der ergrabenen Relikte als Steinbauten ausgeführt, darunter ein Steinhaus und ein kleines Wirtschaftsgebäude oder Türmchen sowie ein Abwasserkanal mit Gewölbeabdeckung.

Dennoch folgte bereits 1532 die nächste Brandkatastrophe, die sich im archäologischen Befund ebenfalls in einer Brandschicht abzeichnet. Aus der nachfolgenden Wiederaufbauphase waren zahlreiche Baustrukturen nachweisbar. Zum Beispiel konnte ein sehr gut erhaltenes Straßenpflaster aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts dokumentiert werden, das in etwa von Nord nach Süd verlief und aus teils unbearbeiteten und teils plattig zugehauenen Steinen und Backsteinen bestand (Abb. 7). Gut zu erkennen sind die beidseits der Fahrrinne angelegten Gehwegbegrenzungen, die gleichzeitig auch als Abflussrinnen dienten. Neben weiteren Mauerfundamenten waren auch zahlreiche Erdbefunde wie Guben (z. B. Abfallgruben) und Gräben nachweisbar. Ein kleiner Grabenabschnitt enthielt Bruchstücke einer menschlichen Schädelkalotte, möglicherweise eines Brandopfers.

Das umfangreiche Fundmaterial bestand aus großen Mengen an Keramik, anhand derer im Wesentlichen die oben genannten zeitlichen Zuschreibungen der Befunde erfolgen konnten. Neben regionalen Erzeugnissen trat auch umfangreiches Importkeramikmaterial auf, darunter Siegburger und Bad Schmiedeberger sowie Waldenburger Steinzeug. Dies lässt auf entsprechende Handelskontakte der Akener Bürgerschaft in Spätmittelalter und früher Neuzeit schließen. Spätmittelalterliche Spinnwirtel liefern Hinweise auf entsprechende Tätigkeiten, frühneuzeitliche Pfeifenfragmente sind Belege eines damals weitverbreiteten „Lasters“. Die meisten Metallrelikte sind infolge der drei Brandkatastrophen nur fragmentiert und klumpenförmig erhalten. Eine Ausnahme bilden vier verspielte spätmittel­alter­liche bronzene Glöckchenanhänger (Schmuck? Bestandteil von Pferdezaumzeug?) und eine Bronzeperle (Abb. 12a - b). Eine Silbermünze war so stark korrodiert, dass eine genauere Zuordnung nicht mehr erfolgen kann. Darüber hinaus wurden eine Reihe von Geräten und Werkzeugen geborgen, die auf den – trotz Stadtrecht – ländlich geprägten Alltag der Bewohner schließen lassen. Darunter sind eine spätmittelalterliche Mistgabel, aber auch Nägel, Messer und Rasiermesser, Riegel, eine Axt und eine Speerspitze mit Widerhaken. Ein frühneuzeitlicher Sporn deutet auf die Anwesenheit von Reitern im untersuchten Areal. Das Tierknochenspektrum weist das gängige Spektrum an Haustieren der damaligen Epoche auf und umfasst neben Rind, Pferd, Schwein, Schaf/Ziege auch Reste von Muscheln und Fischen. Die Funktion eine ritzverzierten Knochenstücks bleibt aufgrund seiner Fragmentierung zunächst uneindeutig (Messergriff o. Ä.?).

Text: Dietlind Paddenberg (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt), Anke Herrmann

Die Ausgrabungen am Akener Burgtor ermöglichten einen unmittelbaren und unverfälschten Einblick in das städtische Leben der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt Aken. Ihre Bewohner lebten nach Ausweis der freigelegten Relikte mit der stetigen Gefahr verheerender Feuersbrünste, folgten aber dennoch ihrem in Teilen ländlichen Alltag und ließen letztlich auf jede Katastrophe einen grundlegenden Neuanfang folgen.

Ihr Mirko Bauer
Ehrenamtlicher Leiter des Schifffahrts- und Heimatmuseum Aken (Elbe)
Artikel veröffentlicht am 08.04.2020 von Amtsblatt der Stadt Aken (Elbe) 5 / 2020