13.03.2019 - 18.07.2019

Madama Butterfly

90402 Nürnberg

Tina Lanik inszeniert Puccinis „tragedia giapponese“ am Staatstheater Nürnberg

Mit „Madama Butterfly“ bringt Tina Lanik Giacomo Puccinis berühmte „tragedia giapponese“ auf die Nürnberger Opernbühne. Es ist die Geschichte der Geisha Cio-Cio-San, mit der der amerikanische Marineleutnant Pinkerton in Japan eine ungleiche Ehe eingeht. Während für ihn die Ehe ein amouröser Zeitvertreib ist, bedeutet sie für Cio-Cio-San die einzige Möglichkeit, ohne Ehrverlust der Armut zu entkommen. Hinter Puccinis packender Musik und seinem schmelzenden Orchesterklang verbirgt sich aber nicht nur ein pittoreskes Japanbild aus fernen Zeiten, sondern auch ein Konflikt, der so lange aktuell bleiben wird, bis eine Cio-Cio-San mehr als nur die Wahl zwischen Prostitution oder Selbstmord hat. Es inszeniert die Theater- und Opernregisseurin Tina Lanik, seit 2016 Mitglied der künstlerischen Leitung des Residenztheaters München. Es spielt die Staatsphilharmonie Nürnberg unter der Leitung von Guido Johannes Rumstadt.

Die Uraufführung von „Madama Butterfly“ im Jahr 1904 war ein Desaster. Zum einen störte die gefürchtete Mailänder Claque die Vorstellung massiv durch Zischen, Reden und Lachen, zum anderen war die Einteilung der Oper in zwei überdimensionierte Akte dramaturgisch äußerst ungeschickt und schließlich wollte das Publikum keinen Tenor sehen, der dermaßen unsympathisch war und dem noch dazu keine eigene Arie zugestanden wurde. Puccini nahm die Reaktion des Publikums ernst, zog die Partitur umgehend zurück und machte sich mit seinen beiden Librettisten an die Überarbeitung. Ihm lag seine „tragedia giapponese“ – die „empfindungsreichste Oper“, die er je geschrieben habe – besonders am Herzen. 1907 entstand schließlich eine Fassung, in der „Madama Butterfly“ die Welt eroberte. Doch bei aller Nachjustierung in Bezug auf die Figur des amerikanischen Offiziers und der hinzugefügten Arie, in der er seine Gewissensbisse zum Ausdruck bringen konnte: Pinkerton benimmt sich nach wie vor wie ein Kolonialist, sein Verhalten ist selbstsüchtig, arrogant und ignorant. Puccini lag ohnehin eher das Schicksal seiner Titelheldin am Herzen. Mit ihr gelang Puccini nach Manon, Mimì und Tosca einmal mehr ein großartiges, berührendes Porträt einer Frau.

Demnach sucht Tina Laniks Inszenierung auch nicht nach einer Erklärung oder gar Absolution für das Handeln Pinkertons. Vielmehr zeigt sie ihn als Teil eines gesellschaftlichen Systems, das Schicksale wie das der „Madama Butterfly“ geradezu forciert. Tina Lanik war von 1996 bis 2000 Regieassistentin am Schauspielhaus Wien, am Staatstheater Stuttgart, bei den Wiener Festwochen und am Théâtre Vidy-Lausanne, wo sie mit Luc Bondy zusammenarbeitete. Ihr Regiedebüt gab sie am Rabenhof Theater in Wien. 2003 wurde sie in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zur Nachwuchsregisseurin des Jahres gewählt. Sie inszenierte unter anderem am Schauspielhaus Bochum, am Schauspielhaus Zürich, am Deutschen Theater Berlin, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Wiener Burgtheater sowie am Residenztheater München. 2014 gab sie ihr Operndebüt mit Bellinis „La Sonnambula“ in Frankfurt. Am Theater Dortmund inszenierte sie „La Traviata“ und „Eugen Onegin“. Seit 2016 gehört sie zur Künstlerischen Leitung des Residenztheaters München.

Die musikalische Leitung übernimmt Guido Johannes Rumstadt, seit der Spielzeit 2007/2008 am Staatstheater Nürnberg als 1. Kapellmeister engagiert, wo er zahlreiche Opern-Inszenierungen dirigierte. Im Herbst 2009 wurde Rumstadt zum Professor für Orchester und Dirigieren an die Hochschule für Musik Nürnberg berufen und übernahm im Juli 2014 die Künstlerische Leitung des Hans-Sachs-Chores Nürnberg.

Stefan Hageneiers Bühne zeigt ein traditionelles japanisches Wohnhaus, eingerichtet im Stil des beginnenden 20. Jahrhunderts, das durch bewegliche Bühnenelemente mit dem Fortschreiten der Handlung die Figuren in zunehmende Beengtheit zwingt, bis die Bühne schließlich einer Grabkammer gleicht. Für seine Kostüme ließ sich Hageneier von der traditionellen japanischen Mode, aber auch von der Ästhetik des japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki inspirieren. Stefan Hageneier, seit 1996 überwiegend als freier Bühnen- und Kostümbildner tätig, war während der Intendanz von Dieter Dorn (2001-2010) als fester Bühnen- und Kostümbildner am Bayerischen Staatsschauspiel tätig. Darüber hinaus war er an zahlreichen deutschsprachigen Theatern engagiert, darunter die Münchner Kammerspiele, die Schaubühne Berlin, das Berliner Ensemble, das Burgtheater Wien, das Schauspielhaus Wien, das Schauspiel Bonn, das Schauspielhaus Düsseldorf, das Staatstheater Hannover, das Schauspielhaus Zürich und die Staatsopern von München und Hamburg sowie die Oper Dortmund. Seit 2011 ist Hageneier Professor für Bühnen-und Kostümbild an der Kunsthochschule Berlin Weißensee.

Die Rolle der Cio-Cio-San (Madama Butterfly) wird Barno lsmatullaeva übernehmen. Die usbekische Sopranistin gewann zahlreiche Preise bei renommierten Gesangswettbewerben, darunter den 1. Preis der „International Competition of Vocalists“ in Moskau sowie den 1. Preis der „Competizione dell’opera” in Tashkent. Am Stanislavsky Theater Moskau debütierte sie als Cio-Cio-San („Madama Butterfly“). Nach ihrer Teilnahme beim Wettbewerb „Singer of the World” in Cardiff wurden Opernhäuser auch in Westeuropa auf sie aufmerksam, woraufhin sie am Tiroler Landestheater in Innsbruck sowie an der Deutschen Oper am Rhein gastierte. Neben Emily Newton, die in einigen Vorstellungen ebenfalls als Madama Butterfly zu sehen sein wird, stehen Almerija Delic sowie Irina Maltseva als Suzuki, Katrin Heles als Kate Pinkerton, Tadeusz Szlenkier als B. F. Pinkerton, Sangmin Lee als Sharpless, Hans Kittelmann als Goro, Denis Milo als Fürst Yamadori und Tadas Girininkas sowie Wonyong Kang als Onkel Bonze auf der Nürnberger Opernbühne. Unterstützt werden sie von den Chorsolist*innen Moon Shick Oh, Suren Manukyan, Hyoung-Jong Ham, Franziska Kern, Hyun Mi Kim und Martina Langbauer und dem Chor des Staatstheaters Nürnberg. Es spielt die Staatsphilharmonie Nürnberg unter der Leitung von Guido Johannes Rumstadt.

Am 13. März wird um 18.30 Uhr im Opernhaus eine öffentliche Probe angeboten. Interessierte erhalten dabei die Möglichkeit, der Regisseurin, dem Bühnen- und Kostümbildner sowie Darstellerinnen und Darstellern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Tickets für die öffentliche Probe sind zum Preis von 6,00 € über die üblichen Vorverkaufsstellen und an der Tageskasse erhältlich.

Am 17. März findet um 11 Uhr im Gluck-Saal des Opernhauses eine Matinee zu der Inszenierung statt. Regisseurin Tina Lanik wird gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Guido Johannes Rumstadt die Besucherinnen und Besucher über die Hintergründe des Stücks und der Inszenierung informieren. Moderiert wird das Gespräch von Dramaturgin Wiebke Hetmanek. Darüber hinaus präsentieren Mitglieder des Opernensembles Ausschnitte aus der Produktion. Tickets für die Matinee sind zum Preis von 6,00 € über die üblichen Vorverkaufsstellen und an der Tageskasse erhältlich.

Tickets:
Tel.: 0180-1-344-276 (Festnetz 3,9 ct/Min, Mobil bis zu 42 ct/Min) oder unter www.staatstheater-nuernberg.de

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Artikel veröffentlicht am 12.03.2019 von Staatstheater Nürnberg 11 / 2019