Kultursommer Waldthurn in Lennesrieth

Waldthurn

Neue Konzertreihe mit perfektem Start - Kultur als Lebensmittel

von Franz Völkl

In und an der Mutterkirche der Pfarrei St. Sebastian Waldthurn, in Lennesrieth fand ein Konzert mit geistlicher und stimmungsvoller Musik statt. „Ich hätte hier nie und nimmer diese Qualität an Musik erwartet - man muss weit gehen um so etwas zuhören“, meinte ein Zuhörer bereits nach dem ersten Teil des Abends, der in der Filialkirche St. Jakobus. Teil zwei des Abends folgte vor einer beeindruckenden Kulisse im Kirchhof und war für die 400 Besucher ein kultureller Leckerbissen weltlicher Musik.

Nicht ein einziger der vielen Besucher brauchte sein Kommen zu bereuen, was hier geboten wurde war schlicht und einfach professionell, stimmungsvoll, mitreißend und der ideale Start für eine neue Konzertreihe in der Marktgemeinde.

„Das soll uns erst einmal wer nachmachen“ sprühte Bürgermeister Josef Beimler voller Stolz. Ideengeber und Initiator war der in Lennesrieth aufgewachsene Countertenor Franz Vitzthum, der neben seinem einzigartigen Gesang auch äußerst unterhaltsam durch den Abend führte. Der Countertenor hatte eine Schar an Sängerinnen sowie Sängern und Instrumentalisten um sich geschart. Zuhörer aus dem gesamten Landkreis bis aus München waren gekommen, um wie Vitzthum es nannte „Große und lebendige Kunst auch von Wolfgang-Caspar Printz der aus der Region stammt“ war zu hören. Das Projekt Landkultur bringe zukünftig noch mehr Musik nach Waldthurn. „Musik und Kunst sind ein Lebens- und Überlebensmittel“, meinte der Countertenor, der mit seiner Familie im Raum Heidelberg lebt und gerade mal 100 Meter neben der wunderschönen Lennesriether Kirche seine Kindheit verbracht hatte. Laut Vitzthum würde ohne Kunst der soziale Kitt in der Gesellschaft fehlen. Er betonte, dass die Beteiligten diesen herzerfrischenden Abend für Gottes Lohn gestalten würden. Das Engagement um diesen Abend gebe ihm den Schub, auch in den nächsten Jahren diese Konzertreihe fortzuführen.

Gertrud Wittkowsky aus Regensburg sperrte mit ihrer Zither einleitend am Altar der überfüllten Kirche die Herzen der Zuhörer mit dem leisen Stück „Gymnopédies“ von Eric Satie auf. Der gemischte Chor tonART unter der Leitung des Lennesriethers Christoph Pausch führte diesen Auftakt weiter und ließ das „Alta Trinita“ von der Empore aus in das Kirchenschiff erklingen.

Der Chor beeindruckte auch mit Kyrie und Sanctus der Missa Prima und „Du hast ganz leis“ von Johannes Ganz, wobei bei letzteren Stück Sarah Kellner mit ihrem Solopart überzeugte. Johann Feiler aus Oberbernrieth begleitete die Waldthurner Vokalisten an der Orgel.

Gespannt durfte man auf Vitzthum selbst sein. Bei den Einheimischen besser als „Kramer Franz“ bekannt, konnte er seinem Ruf, einer der besten Countertenöre Deutschlands zu sein, voll gerecht werden. Der freischaffende Sänger und ehemalige Regensburger Domspatz ließ mit seinen außergewöhnlichen Stimmlagen das „Magnificat anima mea“ des einheimischen Wolfgang-Caspar Printz - „unserem Printz“ - wie er ihn nannte, zusammen mit Georg Schmidbauer (Oberbernrieth) an der Orgel ertönen.

Der Sänger stieß zusammen mit den Organisten nun die Türen zu den Herzen der Zuhörer sperrangelweit auf. „Starsänger trifft einheimische Künstler“ - unter diesem Titel stand das „Eternal source of light“ von G. F. Händel. Vitzthum, Felix Griesbach vom Lennesriether Haselranken auf der Trompete und Klara Bäumler an der Orgel brachten dieses Stück, das auch beim Einzug der royalen Hochzeit von Prinz Harry gespielt wurde, zu Gehör. Griesbach (Trompete) und Schmidbauer (Orgel) spielten anschließend im Duett.

Dass sie auch ein musikalisches Ehepaar der Extraklasse sind, bewiesen in diesem geistlichen Teil des Abends Ute Sommer am Cello und ihre Ehemann Albert auf dem Kontrabass. Sie spielten das Adagio und Allegro prestissimo aus der Sonate G-Dur von Jean Barrière, der ein Zeitgenosse von Printz war. Der Patron der Kirche, der Heilige Jakobus, dessen Patrozinium erst kürzlich gefeiert wurde, blickte bei diesem Klanggenuss aus Vohenstrauß „förmlich herab“ und hatte bestimmt seine Freude.

Artikel veröffentlicht am 12.09.2019 von Waldthurner Markt- und Dorferneuerungsblatt 9 / 2019