Der obligatorische Fassanstich: (v.l.) Udo Willerscheid, Udo Groß, Prinzessin Marlis I. und Adjutant Karl-Heinz Conradt.
Ausgelassene Stimmung bei der Herrensitzung.

Kölns jecker Bandnachwuchs belagerte das Bürgerzentrum

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Herrensitzung der AKG Ahrweiler - Knapp 600 Männer außer Rand und Band

AHRWEILER. TW. Ausnahmezustand im Helmut-Gies-Bürgerzentrum in Ahrweiler: dorthin hatte die Ahrweiler Karnevals-Gesellschaft (AKG) einmal mehr zur Herrensitzung eingeladen. Knapp 600 Kerle jeden Alters machten sich einen schönen Tag. Zur besten Frühschoppenzeit standen im Saal bereits Dutzende Pittermännchen, also Zehn-Liter-Kölschfässer auf den Tischen. Mit einem solchen marschierten auch die beiden AKG-Köbesse Udo Willerscheid und Udo Groß auf die Bühne, Prinzessin Marlis I. schnappte sich schnell ein Kölsch, begrüßte die Meute, dann ging es auch für sie vor die Tür, das närrische Programm konnte beginnen. Sitzungspräsident Udo Groß verordnete den Herren zunächst ein wenig Augenpflege, die AKG-Funken und das Unkelbacher Mariechen-Duo Nina Wiest und Patricia Bock ließen die Beine fliegen. Derweil wunderte sich Köln Top-Redner Guido Cantz auf der Bühne darüber, dass man ihm ein alkoholfreies Kölsch anbot: „Ich höre doch auch keinen Porno im Radio.“ Der Ton war rauh, aber das gehört dazu. Cantz wurde politisch, hätte sich den Erdogan-Besuch in Köln lieber am Rosenmontag gewünscht: „Da fällt ein Clown mehr oder weniger nicht auf.“ Auch wußte er zu berichten, dass hinter Kanzlerin Merkel geschlossen nur noch der Berliner Flughafen stehe. Cantz erklärte den Älteren im Saal dann noch Tinder: „Das ist wie ein digitaler Sauerlandstern.“ Das war es dann aber auch mit jecken Reden. Zwar versuchte sich „Klimpermännchen“ Thomas Cüpper noch, er musste aber abbrechen, denn die Jecken hatten längst auf Partymodus umgeschaltet. Es ging ab Mittag nur noch auf Tischen stehend, laut feiernd und winkend.

Der Party-Startschuss kam von den Domstürmern, deren „ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sunnesching“ in Dauerschleife vom Publikum aus ertönte. Die richtige Mischung aus Akrobatik und Charme boten die „Höppemötzjer“, die Tanzgruppe aus Köln feiert in dieser Session ihr 50-jähriges Bestehen und blickte mit ihren tollen Tanzdarbietungen noch einmal zurück. Fortan stellte die AKG klar, dass es um den Kölner Musik-Nachwuchs bestens bestellt ist. Die „Klüngelköpp“ mit Hosenträger und Kappe schmetterten ihr „Bella Ciao“ ins Helmut-Gies-Bürgerzentrum, Hunderte Kehlen sangen mit. „Ich hann de Millowitsch jesehn“ berichteten „Kuhl un de Gäng“, die Jungs mischten sich unters Publikum und forderten mitten in den Junggesellenvereinen musikalisch auf: „Loss mer springe.“ „Kempes Feinest“ durften schließlich den Schlussakkord spielen: „Bring mich noh Huss, noh Huss, loss m’r heimjonn!“ Das passte, auch wenn manch einer der jecken Herren noch einen Kurzbesuch in einer der Ahrweiler Kneipen vollzog. Vor Augen hatten sie wahrscheinlich noch das Bild der Fauth Dance Company. „Deutschlands bestes Damenballett“, berichtete Sitzungspräsident Udo Groß, der sich beim Anblick der 15 jungen Damen an die großen Samstagabend-Fernsehshows der 1970er-Jahre erinnert fühlte.

Artikel veröffentlicht am 19.02.2019 von Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler 8 / 2019