Werner Bauregger - Chor in St. Coloman
Werner Bauregger - Chorleiterin Maria Bodensteiner
Werner Bauregger - Christian Schnitter
Werner Bauregger - Trommeln zum Ausklang

Klänge und Worte für`s Herz

Inzell

Frauenchor „Voce d`Alegria“ inspiriert mit weltumspannender Musik

(wb) Es sind gut ausgesuchte kulturelle Kleinode wie die kleinen Kirchen St. Valentin in Ruhpolding und St. Coloman bei Tengling am See, in denen der Frauenchor „Voce d`Alegria“ („Du bist wunderschön“) unter Leitung von Maria Bodensteiner aus Inzell vor kurzem zwei bemerkenswerte, ja außergewöhnliche Konzerte gab. Mit dem faszinierenden Spiel auf einer HandPan (handgespielten Blechklanginstrument) bereicherte Christian Schnitter die Vorträge um eine weitere, besonders stimmungsvolle Note. Der Chor setzt sich mit Sängerinnen aus Inzell, Weißbach a.d.A., Freilassing, Anger, Siegsdorf, Traunstein und Bergen zusammen.

Wie Maria Bodensteiner sagte, ist es für sie sehr wichtig, den Konzerten ein tragfähiges und schlüssiges Konzept zu verpassen. Dafür sei es notwendig, die meisten der Chorwerke für die Besetzung des Frauenchores umzuschreiben und an dessen Stimmbesetzung mit je einem ersten und zweiten Sopran oder Mezzosopran und Altregister anzupassen. Bewusst habe sie dieses Mal das Thema „Kontraste und Gegensätze“ gewählt, was sich auch in der Liedauswahl wiederspiegele. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass Kontraste und Gegensätze durchaus befruchtend sind und sich „nicht anöden müssen“. Enorm wichtig sei es immer, das Konzept gemeinsam mit den Chormitgliedern zu entwickeln, damit die Frauen dies auch mittragen könnten und dahinterstehen. Nur so komme die Botschaft auch bei den Zuhörern an. Die größte Herausforderung habe sich dieses Mal bei der Einübung so genannter Cluster gestellt. Hier entstehen Klanggebilde aus bis zu 12, sehr nahe beieinanderliegenden Tönen, die natürlich exakt angestimmt und gehalten werden müssen. Mit einem solchen Klanggebilde begann der in kleinen Gruppen einziehende Chor auch sein Programm beeindruckend stimmsicher und vielfarbig, unterlegt von einem HandPan-Klangteppich. Bereits hier bestachen die Frauen durch eine harmonische und saubere Intonation, ein in allen Registern homogenes, Leichtigkeit transportierendes Klangbild und eine feine Dynamik. Mit jüdischen Liedern wie „Shalom aleichem“ und „Haschivenu“ transportierten die 18 Frauen beschwingt und bewegt Friedensbotschaften oder im Canongesang Bitten. Konträr dazu erklang die Bitte um Frieden „Da pacem domine“ von C. Gounond klassich sacral.

Untermalung mit Handtrommel und Flöten

Canonartig und fröhlich bewegt hatte das Lied „Sweet Kate“ von R. Jones die Liebe zum Inhalt. Begleitet von einer Handtrommel und 3 Flöten erinnerte „Señora de hermosura“, die das vorhergehende Lied in der Renaissance entstandene Liebeslied an einen gediegenen, höfischen Tanz. S. O`Conner formulierte seine Homage an die Liebe im anrührenden Lied „In this heart“, mit dem der Chro eine wunderbare, anrührende Tragkraft in den stilvollen Kirchenraum sandte. Lyrisch ging es weiter mit J.v.Eichendorffs Werk „Schläft ein Lied in allen Dingen“ und den „Merseburger Zaubersprüchen“ aus dem 10. Jahrhundert, wieder untermalt von 3 Flöten. Einen weiteren Kontrast erfuhren die Vorträge durch das heimelig tragende Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“, welches zu den bekanntesten Werken der deutschen Literatur gehört, im Konzert aufgeteilt in Parts mit jeweils zwei Strophen. Zu erraten, was C. Orff mit „Es ist die wunderschönste Brück“ wirklich gemeint hat, wurde den Zuhörern als Aufgabe gestellt. Gemeint war natürlich der Regenbogen, was auch erkannt wurde. Eine große Herausforderung meisterten die Frauen beim „Sanctus“ von C.B.Agnestig, da die Melodie viele Vermischungen von gehaltenen und gegenläufigen Bewegungen fordert. Ihre in allen Stimmlagen ausgeglichene, ausgeprägt harmonische und mit einem feinen Timbre erklingende Stimme konnte die Chorleiterin im Psalm „Laudate Dominum“ eindrucksvoll zur Geltung bringen. Lebensfreude und tänzerische Bewegung signaliseirten die Sängerinnen dem Publikum danach über den afrikanischen Gospelsong „I paradisi“. Mit Fingerschnippen gab die Chorleiterin schließlich den Takt für einen weiteren Gospelsong „Wade in the water“ vor, mit dem die Chorgemeinschaft einen lebensfroh beschwingte, wie starke Botschaft in die Welt schickte. Anstöße zum Nachdenken, Gelegenheit zum Schmunzeln und in sich gehen gab es zwischendurch auch immer wieder mit ausgesuchten Texten, die von verschiedenen Frauen vorgetragen wurden.

Nach mehreren, eindrucksvollen Einlagen zwischen den Gesangstiteln, untermalte Christian Schnitter zum Abschluss noch einmal ein Cluster des Chores. Mit einem wahren Beifallssturm bedankten sich die Konzertbesucher bei den Frauen, die aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein kommen und dem Instrumentalsolisten für die inspirierenden, Kraft und Zuversicht vermittelnden Lieder und Klänge. Auf Einladung des Frauenchores klang der stimmungsvolle Sommerabend bei einem kleinen Imbiss und vielen guten Gesprächen vor der Kirche aus, untermalt von einer Trommlergruppe aus Inzell.

Artikel veröffentlicht am 12.07.2019 von Gemeindeanzeiger Inzell 28 / 2019