Christine und Peter Seemann (sitzend) während ihrer Ehrung mit dem Titel Ehrenamt des Monats durch Birgit Weber, Beigeordnete des Landrates
Auszeichnung mit dem Ehrenband des Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner für die Kleingartenvereine „Morgensonne“ und „Abendsonne“ sowie für den Territorialverband der Gartenfreunde des Landkreises

Große Feier bei den Kleingärtnern

Bautzen

Mit einer Festveranstaltung im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen begingen am 16. März die Kleingärtner des Altkreises Bautzen den 100. Geburtstag ihres Territorialverbandes der Gartenfreunde des Landkreises Bautzen, kurz TGLB.

Dazu eingeladen hatten sie sich die Mitglieder des Sächsischen Landtages Marko Schiemann und Heiko Kosel, Vertreter der Landkreis- und Stadtverwaltung. Auch Peter Paschke, Präsident des Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner, war der Einladung gern gefolgt, wie auch die Vertreter der zwei anderen im heutigen Landkreis Bautzen tätigen Kleingarten-Dachverbände, des Territorialverbandes Kamenz der Kleingärtner sowie des Verbandes der Kleingärtner Hoyerswerda und Umland.

In ihren Grußworten würdigten sie das Jubiläum der Bautzener Kleingärtner. Birgit Weber, Beigeordnete im Bautzener Landratsamt, überbrachte die Grüße des Schirmherren Landrat Michael Harig und bescheinigte den Hundertjährigen eine außerordentliche Gesundheit und Vitalität „Wer einen Garten hat, lebt schon im Paradies“ resümierte sie und verlieh stellvertretend für alle Anwesenden Christine und Dieter Seemann aus Bautzen den Titel „Ehrenamt des Monats“. Das Ehepaar engagiert sich seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ehrenamtlich in der Anlage „Morgensonne“.

Von Peter Paschke erfuhren die Anwesenden, dass 2018 knapp 200.000 organisierte sächsische Kleingärtner in rund 3.700 Vereinen ihre Beete bestellten. Damit stellt der Freistaat Sachsen die meisten Kleingärtner im Bundesverband, dessen Präsidentschaft Paschke in Personalunion ausübt. Für Bautzens Baubürgermeisterin Juliane Naumann ist das Kleingartenwesen die „einzige Konstante, welche die Wogen der Zeit“ überstand. Marko Schiemann schließlich erinnerte sich an seine unbeschwerte Kindheit in der „Abendsonne“ sowie die Verbandstage, die er seit 1994 besuchte. Ansonsten zeigte er sich voller Stolz auf „seine“ Oberlausitzer Landsleute im typisch sächsischen Kleingartenwesen, welches ja bekanntlich in Leipzig durch den Arzt Daniel Gottlieb Moritz Schreber begründet wurde.

Andrea Lange, Vorsitzende des TGLB, schilderte in ihrem Festvortrag Etappen aus dem Leben des Hundertjährigen. Begonnen hat dieses am 19. März 1919 im Brauhausgarten der Spreestadt. Unter den Gründungsmitgliedern war auch der wohl älteste Bautzener Verein, der 1893 gegründete „Verein für Gesundheitspflege und naturgemäße Heilweise zu Bautzen“, der heutige Kleingartenverein Prießnitz. Die erste „richtige“ Gartenanlage folgte dann 1912 an der Welkaer Straße. Die damalige „Hentsch‘sche Kleingartenanlage“ kennen wir heute unter der Bezeichnung „Sonnenlehne“. Vom Beginn des organisierten Kleingartenwesens beflügelt, gründeten sich 1919 auch die Bautzener Kleingartenvereine „Morgensonne“ und „Abendsonne“. Es folgten zahlreiche Namensänderungen der Interessenvertretung der Kleingärtner, die bis zur politischen Wende zahlenmäßig ständig zunahmen. Heute zählt der TGLB 78 Vereine mit 3.914 Parzellen. Neben der sozialen Komponente spielt der Schutz der Umwelt bei den Kleingärtnern eine zentrale Rolle. Sie reden nicht, sie tun es! Und die, die besonders viel getan haben, wurden als Einzelperson oder Verein im Verlauf der Feierstunde besonders geehrt.

Text/Fotos: Werner Lindner
Artikel veröffentlicht am 23.03.2019 von Mitteilungsblatt Bautzen - Ihre Heimat- und Bürgerzeitung 11 / 2019