Abb.: Totenschild des Hieronymus Kress (gest. 1477), 1477/78 Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Das Wappen der Familie Kress zeigt als Helmzier den Rumpf eines Mannes mit Schwert im Mund. Angeblich verlor ein Kress’scher Vorfahre in einer Schlacht beide Arme und kämpfte daraufhin mit dem Schwert im Mund weiter.
Abb.: Totenschild des Hieronymus Kress (gest. 1477), 1477/78 Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Das Wappen der Familie Kress zeigt als Helmzier den Rumpf eines Mannes mit Schwert im Mund. Angeblich verlor ein Kress’scher Vorfahre in einer Schlacht beide Arme und kämpfte daraufhin mit dem Schwert im Mund weiter.
26.03.2019 - 06.01.2020

Gewappnet für die Ewigkeit. Nürnberger Totenschilde des Spätmittelalters

90402 Nürnberg

Präsentation in der Kartäuserkirch

Totenschilde sind Gedenktafeln, die für männliche Verstorbene des Adels und des führenden Bürgertums nach deren Tod in Kirchen aufgehängt wurden. Sie zeigen das Familienwappen, eine Inschrift mit dem Namen des Verstorbenen und dessen Sterbedatum sowie häufig einen Segensspruch. Nicht selten erreichten die aufwendig gestalteten Schilde einen Durchmesser von bis zu einem Meter. Und – vor allem im Nürnberger Raum haben sie sich in bemerkenswerter Zahl erhalten, wenngleich sie im gesamten deutschsprachigen Raum zu finden waren. Normalerweise hoch oben an Kirchenwänden angebracht, werden jetzt erstmals zwölf ausgewählte Beispiele in der Kartäuserkirche des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg auf Augenhöhe präsentiert. Dem Besucher bietet sich dadurch die seltene Möglichkeit, Totenschilde einmal von Nahem zu betrachten.

Die Schilde werfen viele Fragen auf: Wer stellte sie einst her – waren es Bildhauer, Maler, oder gab es gar einen eigenen Berufszweig der Totenschildmacher? Bemerkenswert ist die große Materialvielfalt, mit der die Werke gefertigt wurden, zu der neben Holz, Blechen und Leder auch Pappe, Pergament, Weidenruten, Glassteine und Echthaar gehören konnten, was einen nicht unerheblichen Aufwand und Kenntnisse im Umgang unterschiedlicher Verarbeitungstechniken bedeutete. Für wen wurde ein solcher Aufwand betrieben? Und was kostete ein Totenschild letztendlich? Wo hingen die Schilde ursprünglich und wann und wie fanden sie ihren Weg ins Germanische Nationalmuseum?

Fragen dieser Art ging in den vergangenen vier Jahren ein von der Leibniz-Gemeinschaft gefördertes Projekt nach, das den einzigartigen Bestand des Germanischen Nationalmuseums an Totenschilden des 14. und 15. Jahrhunderts systematisch aus historischer, kunsthistorischer und kunsttechnologischer Sicht untersuchte. Ein umfangreicher Katalog mit den Ergebnissen aus diesem Forschungsprojekt erscheint im Juni 2019. Erste Einblicke gewährt bereits die Präsentation in der Kartäuserkirche. Die Präsentation in der Kartäuserkirche bildet zugleich den Auftakt zur großen Sonderausstellung „Faszination Forschung“, die ab 27. Juni 2019 einen umfangreichen Überblick über Forschungsarbeit und –projekte der letzten 20 Jahre am Germanischen Nationalmuseum gibt.

Termin:

28. März 2019 bis 6. Januar 2020

Kartäuserkirch

Artikel veröffentlicht am 27.03.2019 von Germanisches Nationalmuseum 13 / 2019