Heimatkundler Gerd Elingshäuser zeigt das Sühnekreuz in der Kettiger Gemarkung.

Ein bestialischer Mord an einem Flüchtendem erregte die Gemüter

Weißenthurm

Kettiger Heimatkundler Gerhard Elingshäuser berichtet, warum das Sühnekreuz aufgestellt wurde

KETTIG (jab). Eigentlich ist die Geschichte vom Sühnekreuz, das ehemals an der Grenze zwischen Kettig und Miesenheim gestanden hat, keine Begebenheit, die sich in der Kettiger Flur abgespielt hat sondern eher auf Miesenheimer Gebiet.

Schließlich fand diese gewalttätige Handlung aber doch etwa 100 Meter von der Wegekreuzung am Miesenheimer Weg entfernt statt, wo das Kreuz später in der Flur mit der Bezeichnung „Hinter dem Wäldchen“ auf Kettiger Gebiet aufgestellt wurde.

Gerhard Elingshäuser erzählt die gruselige Geschichte weiter, wobei er darauf hinweist, dass diese auf einer Bronzetafel nahe des alten Kreuzes aufgezeichnet ist, die wiederum auf einer Erzählung aus dem Ort Plaidt beruht.

Tag während des Dreissigjährigen Krieges

„Während des 30-jährigen Krieges im Jahre1646, als noch französische Truppen in unserer Gegend stationiert waren, ereignete sich das folgende Geschehen: Vier Männer aus Plaidt und Saffig hatten laut Anklage einen brutalen Raubzug verübt und wurden dafür zum Tode durch Erhängen verurteilt.

Die Hinrichtung sollte auf einer Anhöhe bei Saffig in der Flur ‘Auf dem Galgenstück’ erfolgen, wo sich weithin sichtbar der Galgen befand. Kurz vor der Vollstreckung des Urteils gelang einem der Delinquenten zunächst die Flucht. Er lief geradewegs über die abschüssigen Felder und durch den Buschwald hinunter in Richtung Rhein. Doch die Flucht blieb nicht unbemerkt und sofort jagte man mit Pferden und Hunden hinter dem Flüchtenden her. An der Wegekreuzung Aarweg/Miesenheimer Weg stellten ihn die Häscher. Aber anstatt den Verurteilten zurück zum Richtplatz zu bringen, wurde der Todgeweihte auf bestialische Art und Weise gevierteilt und man ließ ihn einfach am Wegesrand liegen.

Reisende, die von Kettig nach Miesenheim unterwegs waren, fanden den Leichnam und begruben ihn neben der Kreuzung.

Gedenken an die Tat

Zum Gedenken an diese grausige Tat wurde ein Sühnekreuz dort errichtet“, erzählte Elingshäuser. Wobei ein Sühnekreuz ein Denkmal ist, dass für einen Totschlag oder Mord aufgestellt wurde.

Kreuz verschwand

Der Heimatforscher berichtet weiter: „Während des Bimsabbaus um 1955 wurde das Kruzefix entfernt und sollte bei der Renaturierung des Geländes wieder an gleicher Stelle aufgestellt werden. Aber später war nichts mehr auffindbar und es blieb für ein halbes Jahrhundert verschollen.

Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass das Kreuz wiedergefunden wurde. Allerdings wurde es nun nicht mehr am ursprünglichen Ort aufgestellt sondern etwa 100 Meter entfernt vom Tatort, am Miesenheimer Weg in der Kettiger Gemarkung „Hinter dem Wäldchen“.

Und dort ist es heute noch zusammen mit dem Stein, auf dem die Schrifttafel angebracht ist, auf dem friedlichen Wiesen- und Ackergelände weit oberhalb von Kettig zu sehen.

Artikel veröffentlicht am 16.04.2019 von Mitteilungsblatt für den Bereich der Verbandsgemeinde Weißenthurm 16 / 2019