Das Kriegerdenkmal des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/1871 vor der Kirche in Güttersbach im Jahr 2019. Es ist eines von insgesamt 14 Denkmälern aus dieser Zeit, die im Odenwald existieren. (Robin Helm)
Dies ist wahrscheinlich die älteste Panoramaansicht von Güttersbach aus dem Jahr 1911. So ähnlich könnte es um 1870 auch in Güttersbachs Dorfmitte ausgesehen haben. Zwar liegen einige Jahrzehnte zwischen dieser Aufnahme und der Zeit um 1870, aber grundlegende Ansichtsänderungen wird es nicht gegeben haben. (Repro, Robin Helm)
So sah der hessische Soldat im Deutsch-Französischen Kriege aus. Ausgerüstet mit der Pickelhaube und dem Zündnadelgewehr ging es in den Kampf. (Repro, Knötel Tafel)
Die deutschen Truppen rückten zügig vor und überschritten schnell die Grenze zum Kriegsgegner Frankreich. (Repro, wikipedia.org)

Ein Denkmal in Güttersbach - stummer Zeuge aus einer längst vergangenen Zeit -- Teil I-

Mossautal

von Robin Helm

Vor der evangelischen Quellkirche in Güttersbach steht ein stiller Zeuge aus einer längst vergangenen Zeit. Ein schlichter Sandsteinobelisk der auf einer zweistufigen viereckigen Steinplatte steht. Eine eingemeißelte Pickelhaube und zwei Kanonenrohre nebst Flaggen lassen erahnen, um was für eine Art Denkmal es sich hier handelt. Es ist ein Kriegerdenkmal für sechs Gefallene des Güttersbacher Kirchspiels. Die Inschrift lautet:

„Dieses Denkmal ehrt das Andenken der im Deutsch-Französischen Kriege 1870/1871 für´s Vaterland Gebliebenen - Von dem dankbaren Kirchenspiel gewidmet - seinen braven Söhnen - Nicht Heimgekehrt und doch daheim“.

Die Gefallenen sind:

Johann Bernhard Krämer

Johann Adam Heilmann

Johann Adam Krämer

von Güttersbach

Georg Jakob Walther

von Hüttenthal

Johann Philipp Krämer

von Hiltersklingen

Johann Jacob Heilmann

von Olfen

Dieser kurze Bericht soll die historischen Geschehnisse jener Zeit, mit den Schicksalen der gefallenen jungen Männer aus dem Güttersbacher Kirchspiel verbinden. Gleichzeitig soll es auch eine Mahnung sein, das alle Kriege, egal wie siegreich sie auch erscheinen mögen, viele sinnlose Opfer, Unheil und Hass hinterlassen.

Die Gefallenen des Kirchspiels sind alle in den 1840-er Jahren geboren. Wie waren die Lebensumstände zu dieser Zeit? Damals bestand die Kirchengemeinde aus Güttersbach, Hiltersklingen, Hüttenthal, Unter-Mossau (bis 1849) und Olfen. Die Region war damals traditionell von der Land-und Forstwirtschaft und vom Handwerk geprägt. Außer ein paar größeren Gehöften, gab es viele Kleinbauern von denen jeder ein wenig Vieh sein Eigen nennen konnte. Die dörfliche Hierarchie reichte vom Tagelöhner bis zum großen Gutsbesitzer. Industriebetriebe gab es hier noch nicht. Viele Bewohner des Kirchspiels lebten in sehr ärmlichen Verhältnissen und gingen ihrer harten entbehrungsreichen Arbeit nach. Die Familien waren groß, mehr als zehn Kinder waren keine Seltenheit. Doch die Sterblichkeit beim Nachwuchs war extrem hoch. An Krankheiten und Seuchen rafften noch etliche dahin, die moderne Medizin war noch nicht existent. Auf engstem Raum lebten mehrere Personen in kleinen Stuben zusammen. Es waren keine ausgebauten Straßen, keine Elektrizität, keine motorisierten Fahrzeuge und keine Wasserkanalisation vorhanden. Jahrhundertealte Traditionen, Sitten und Bräuche bestimmten das dörfliche Leben. Die Menschen waren meist sehr gläubig, der Glaube an Gott war für viele ein Trost. Der Lebensrhythmus tickte noch in einem wesentlich langsameren Takt als heute.

Mit 14/15 Jahren endete für die meisten die Schulzeit, manche begannen eine Lehre, verdingten sich als Tagelöhner/Knecht oder wurden auf dem Hof der Eltern als Arbeitskraft benötigt. Manch anderer ging freiwillig oder unfreiwillig zum Militär.

Die Gefallenen des Kirchspiels wuchsen unter solchen Lebensbedingungen auf. Über folgende Gefallene ist näheres zu berichten.

Georg Jakob Walther wurde am 17.Mai.1849 in Hüttenthal geboren. Er hatte 10 Geschwister von denen nachweislich 7 im Kindesalter verstarben. Als er 17 Jahre alt war starb sein Vater, zwei Jahre später verstarb auch die Mutter. Der Tod war in dieser Zeit allgegenwärtig.

Johann Adam Krämer geboren am 16.September 1847 stammte höchstwahrscheinlich aus dem Bauernhof „Harras-Krämer“ in der großen Harras in Güttersbach (heute Schäfer). Er hatte 6 Geschwister.

Johann Adam Heilmann wurde geboren am 23.November.1844, sein Vater war Mühlenbesitzer in Güttersbach (heute Ihrig). Er hatte 12 Geschwister und 4 Halbgeschwister, von denen etliche im Kindesalter verstarben. Seine Mutter starb 1857 nach einer Zwillingsgeburt, da war Johann Adam Heilmann 12 Jahre alt. Der Vater heiratete im Jahr darauf erneut. Da sein älterer Bruder als Nachfolger der Mühle vorgesehen war, meldete sich Johann Adam Heilmann 1865 zum Militär. Über 5 Jahre leistete er als Soldat seinen Dienst, bis die Friedenszeit ein jähes Ende fand. Krieg war für die meisten weit weg und die Vorstellungen darüber gingen weit auseinander. Doch der Deutsch-Französische Krieg sollte den Menschen noch lange danach in Erinnerung bleiben. Ein Zeugnis davon ist das Kriegerdenkmal in Güttersbach.

Am 19.Juli.1870 begann dieser Kampf zwischen den zwei Völkern in der Mitte Europas. Auf der einen Seite Frankreich, das über Jahrhunderte schon ein Staat bildete. Auf der anderen Seite die deutschen Staaten unter der Führung Preußens, das nach einer deutschen Einigung strebte.

Durch „Eisen und Blut“, wie es der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck schon 1862 formulierte, sollte endlich ein mächtiger deutscher geeinter Staat entstehen. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/1871, war der letzte von insgesamt drei Kriegen (den sog. Einigungskriegen). Schon 1864 gegen Dänemark und 1866 im „Bruderkrieg“ gegen Österreich (siehe vorherigen Bericht), war Bismarcks „Blut und Eisen“- Politik vom Erfolg gekrönt gewesen. Eine Reichsgründung sollte militärisch und „von Oben“, d.h. vom Adel geschaffen werden. Nicht demokratisch vom Volk, wie es 1848/1849 die Bürger nach der Revolution versucht hatten.

Es gab zwar schon seit 1867, nach dem Sieg Preußens über Österreich, einen Bund aus norddeutschen Staaten (alle Staaten nördlich der Mainlinie), doch die süddeutschen Länder (Bayern, Baden, Württemberg und Hessen) blieben Unabhängig und wollten ihre Selbstständigkeit behalten.

Auch Frankreich unter Kaiser Napoleon III., wollte um jeden Preis einen starken geeinten deutschen Nachbarn verhindern und duldete keine weitere preußische Machtausdehnung.

Krieg war damals ein Mittel zum Zweck, eine gängige Art um diplomatische Sackgassen zu sprengen. Solch ein Krieg war auch der Deutsch-Französische, mit diesem Kampf sollte die deutsche Einheit nach Bismarcks Vorstellungen erzwungen werden.

Mit Ausbruch des Krieges schlossen sich die süddeutschen Staaten Preußen an, da die Kriegserklärung von Frankreich ausging und geheime Verteidigungsbündnisse mit Preußen bestanden. Der Krieg wurde von den meisten Zeitgenossen euphorisch aufgenommen. Patriotismus und vaterländische Pflichterfüllung prägte die Kriegsstimmung. Wahrscheinlich sind auch die Soldaten des Güttersbacher Kirchspiels patriotisch in diesen Krieg gezogen.

Wie erlebten die Soldaten des Kirchspiels den Krieg? Johann Adam Heilmann und Johann Adam Krämer aus Güttersbach, sowie Johann Jacob Heilmann aus Olfen dienten zu dieser Zeit bei der Armee und wurden daher zum Kriegsdienst umgehend herangezogen.

Bei den anderen Gefallenen ist es leider nicht bekannt, unter welchen Umständen diese in den Krieg zogen. Waren sie Wehrpflichtige, hatten sie sich freiwillig gemeldet oder wurden sie als Reservisten eingezogen? Fakt ist, dass sie alle der 25. Hessischen Division angehörten (Truppenstärke 19.260 Mann).

Sammelplatz der hessischen 25. Division war in Rheinhessen, westlich von Worms. Dort trafen die Soldaten des Güttersbacher Kirchspiels Ende Juli 1870 ein. Johann Adam Heilmann aus Güttersbach gehörte dem 2. Jäger Bataillon an. Johann Jacob Heilmann aus Olfen, Johann Bernhard Krämer aus Güttersbach und Georg Jakob Walther aus Hüttenthal dienten als Musketiere im 3. Infanterie Regiment. Johann Philipp Krämer aus Hiltersklingen rückte ins 2. Reiter Regiment als Chevauleger ein. Über Johann Adam Krämer aus Güttersbach sind keine näheren Angaben bekannt. Zunächst hatten die Truppen einige Ruhetage, später bestimmten Exerzier und Gefechtsübungen den Tagesablauf. Dienstags den 02.August.1870 erging der Befehl zum Aufbruch. Schlechtes Wetter mit vielen Regengüssen bestimmte den Marsch nach Südwesten. Weiterhin erfolgten Gefechtsübungen bis man am 10.August.1870 die Saar überquerte. Einen Tag später wurde die Grenze zum Kriegsgegner Frankreich überschritten, nun standen die Soldaten des Kirchspiels im Feindesland. Rasch wurde das Kampfgeschehen nach Frankreich getragen.

Beim weiteren Vormarsch erblickten Sie die ersten Kriegsopfer beim Schlachtfeld von Spichern. Dort fanden noch wenige Tage zuvor erbitterte Kämpfe statt. In Forbach marschierten die Truppen dann vor ihrem Kommandeur Prinz Ludwig von Hessen. Am 14.August.1870 war ein Feldgottesdienst angesetzt.

Danach ging der Vormarsch Richtung Metz weiter. Am 16.August.1870 waren erste hessische Verbände in der Schlacht von Vionville beteiligt, in deren Folge erste Verluste zu beklagen waren. Doch dies war nur ein Vorgeschmack auf die kommende Schlacht von Gravelotte die zwei Tage später toben sollte.

Teil II. in der nächsten Ausgabe

Textquellen:

-Die Kriegerdenkmäler 1870/1871 in Südhessen (Hans-Jörg Jährig)

-Güttersbacher Kirchenbücher

Artikel veröffentlicht am 12.09.2019 von mossautal aktuell 37 / 2019