Die Burg „Thieleberg“ bei Aken

Aken

Auf Wikipedia kann man in der Liste der Bodendenkmale der Stadt Aken (Elbe) lesen, das die Wasserburg „Thieleberg“ … „am Fuß der Motte“ ein „umlaufender Graben mit Wall, im Norden und westlich der Anlage“ sowie „weitere Gräben und Wälle“ umgeben. Dabei kann man „Motte“ am treffendsten als Erdhügelburg bezeichnen.

Die Reste der Niederungsburg Thieleberg liegen heute ungefähr an Stromkilometer 270 der Elbe, zirka 300 m vom Ufer entfernt.

Doch warum steht hier mitten im Wald eine Burg?

Dazu muss man sich acht-, neunhundert Jahre zurück begeben. Zu dieser Zeit war die Elbe Grenze zwischen dem expandierenden deutschen Kaiserreich und den heidnischen Elbslawen. Und zudem sah die Elbe natürlich ganz anders aus als heute. Sie war nicht reguliert und suchte sich im Elbtal immer mal wieder einen neuen Lauf, bildete Sandbänke und Werder (Inseln) und trat regelmäßig über die Ufer. Brücken und Fähren gab es (noch) nicht! Und trotzdem führten schon überregionale Handelsstraßen über die Elbe. Dies geschah dann mittels einer Furt an einer flachen Stelle mit möglichst festem Flussgrund aus Schotter. An unserem Elbabschnitt gab es wohl im Lauf der Zeit mehrere dieser Übergänge. Einer davon wurde von der Burg Thieleberg geschützt. Damit diente die Burg auch der Grenzsicherung und lag im Verlauf der Elbe in einer ganzen Reihe von Befestigungen.

Im Besitz der Burg war im 12./13. Jahrhundert die Familie von Thieleberg. Sie gehörte offenbar zu den schöffenbarfreien Geschlechtern unserer Gegend und tritt in unseren Akener Schöffenbüchern, welche ja in Teilen erhalten sind, als „Herren“ auf. Diese Bezeichnung charakterisiert sie als zum niederen Adel gehörig. Erstmalig genannt werden Sie in einer Urkunde eines Grafen von Anhalt im Jahr 1253. Sie gehörten mit dem Akener Gebiet aber wohl zum Herzogtum Sachsen unter den askanischen Herzögen und treten in deren Urkunden vielfach als Zeugen auf. Die für Aken bedeutendste Urkunde in der „Thiedericus de Tilberch“ genannt ist, ist jene von 1276 in der die askanischen Herzöge unter anderem Aken als Pfand für ihre Schulden an den Erzbischof von Magdeburg einsetzen. Diese Urkunde ist aber auch gleichzeitig die letzte Nennung sowohl des „Thiedericus“ als auch des Geschlechts und damit der Burg Thieleberg. Es ist anzunehmen, das bei den Kämpfen um Aken 1277, bei denen die Sachsenherzöge eine empfindliche Niederlage kassierten, sowohl die Burg zerstört als auch Thiedericus gefallen ist. Und mit dem Ende des Geschlechtes der Thieleberger gab es wohl auch niemanden, der die Burg wiedererrichtete.

Der Akener Bürger Günther Pakendorf beschreibt seinen „Ausflug am Dreikönigstag in Corona-Zeiten“ zum Thielberg wie folgt:

„Es war nicht gerade das beste Wetter, grudengrau, nass und matschig. Wir haben jedoch unseren "inneren Schweinehund" zugunsten unseres Immunsystems überlistet.

Auf ging's! Ein paar wetterfeste Klamotten, eine Thermoskanne Tee (mit Schuss), den Hund an die Leine und wir waren einsatzbereit.

Unser Ausgangspunkt war die ehemalige Försterei Olberg. Die Ausrüstung geschultert, noch einen kurzen Schwatz mit anderen wagemutigen Wanderern gemacht, dann ging es los.

Vorbei am Fundament des ehemaligen Feuerwachturms in Richtung Elbe und Prinzeneiche, jedoch nicht ganz so weit. Am Ende der Nummernwiesen gingen wir dann rechterhand in den Wald (Nummernwiesen deshalb, weil diese von verschiedenen Bauern für die Heuernte genutzt wurden, nicht, was Sie denken).

Es eröffnete sich dann ringsum von Wald umgeben, noch eine große Wiese. Am hinteren Waldrand steht eine schöne, sehr alte Linde – vis-a-vis davon unser Ziel der Wanderung:

Die Thielburg bzw. der Thielberg

Ein großer Erdhügel und ein ehemaliger Wassergraben lassen sich noch erkennen.

Man nimmt an, dass diese Burg slawischen Ursprungs war und seit dem 10. Jahrhundert existierte.

In der Akener Chronik wird das Geschlecht der Herren vom Thielberg erwähnt. Namentlich aufgeführt wurden zwei Brüder – Thilo und Heinrich. Ab dem Jahre 1280 wurde die Burg bedeutungslos. Es wäre allerdings möglich, dass die Burg zum Räubernest wurde, denn die Elbe war nicht weit weg und bot sicherlich manche Gelegenheit für Überfälle.

Heute wohnen dort Fuchs, Dachs und Wildschweine.

Und wer es nicht weiß, kommt dort gar nicht erst hin.“

Mirko Bauer
Ehrenamtlicher Leiter des Schifffahrts- und Heimatmuseums
Artikel veröffentlicht am 31.03.2021 von Amtsblatt der Stadt Aken (Elbe) 3 / 2021