Platzhalter
Der Musik-Otti

Der Platzhalter & der Kater mit der Geige

Feldberger Seenlandschaft Feldberg

Manchmal führt der Versuch, etwas eindeutig darzustellen trotzdem zur Verwirrungen.

So geschehen auch bei dem Verlag, der unser Amtliches Mitteilungsblatt für die Gemeinde Feldberger Seenlandschaft mit dem schönen Namen „KiekRin“ bearbeitet, druckt und verteilt.

Im Normalfall war es so, dass die Redaktionsmappe in der Gemeinde- und der Kurverwaltung nach einem thematisch gegliederten System durch meinen Chef als Gesamtverantwortlichen und mich als Redaktionsmitglied „befüllt“ wurde. Amtliche Bekanntmachungen, Mitteilungen, Geschichten usw. füllten diese A4-Mappe nach und nach auf.

Die Mappe musste dann am Freitagmittag der Redaktionswoche zur Post. Wenn nun ein Beitrag noch nicht eingegangen oder noch nicht fertig war, wurde an der entsprechenden Stelle ein Zettel hineingelegt mit der Aufschrift: „Beitrag wird Montag nachgemailt.“ Das war nämlich noch möglich. Heute passiert das ja alles per E-Mail.

So geschehen auch im September 2005. Das geplante Titelbild lag auf meinem Rechner zu Hause und ich wollte es ebenfalls nachmailen. Also, den Zettel als Platzhalter in die erste Folie der Redaktionsmappe mit der Bezeichnung „Titelbild“ und ab ging die Post zum Verlag. Montag dann die E-Mail rüber und die telefonische Nachfrage bei der Redaktion des Verlages, ob das Titelbild auch angekommen sei. „Wieso Titelbild“, kam es von einer wohl dort noch neuen Dame herüber, „Das habe ich doch schon eingesetzt.“ „Aber das habe ich Ihnen doch eben erst geschickt!“ antworte ich ihr verwundert. Es war ein Foto von einem Konzert auf dem Wikingerschiff. „Nein“, konterte die Dame vom Verlag zurück. „Es ist ein Gartenstuhl mit einem Kreuz darauf. Ich habe mich schon gewundert, warum es dieses mal so ein seltsames Titelfoto sein soll.“ Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Sie hatte mein Foto eines Gartenstuhls mit einem roten Kreuz darauf, das ich symbolisch als Platzhalter verwende, zum Titelbild erkoren. Unsere Leser hätten sich totgelacht und ich wäre der Blamierte gewesen.

Aber das war an diesem Tag noch nicht alles. Unser Maskottchen war ein Fischotter und wir haben ihm für die verschiedensten Verwendungszwecke auch ein unterschiedliches Aussehen von unseren langwierigen Partnern „Galeo Design“ verpassen lassen. Zur Ankündigung der Kneipen- und Musikmeile spielte dieser besagte Otter Cello. Da bekam mein Chef einen Anruf von der Dame aus der ersten Geschichte mit der Anfrage, ob der „Kater mit der Geige“ von ihr auch für andere Ankündigungen im KiekRin verwendet werden dürfte. Wir haben kräftig abgelacht - Dabei waren wir so stolz auf unseren „Musik-Otti“!

Ich wünsche allen Leser geruhsame Weihnachtstage und ein erfolgreiches, gesundes 2020.

Jürgen Becker

Artikel veröffentlicht am 13.12.2019 von Kiek Rin 12 / 2019