Ein Mitarbeiter der Staatskanzlei "beschirmt" Ministerpräsidentin Malu Dreyer (3.v.r) und Staatsministerin Ursula Höfken(2.v.r.), mit Landtagsmitglied Josef Dötsch, Mülheim-Kärlichs Bürgermeister Gerd Harner und VG-Beigeordneter Ralf Schmorleiz (v.l.n.r.).
Die Kühlturmreste fallen rasch.
Der Koloss verschwindet in einer dichten Staubwolke.

Der Koloss ist gefallen

Weißenthurm

Reste des ursprünglich 180 Meter hohen Kühlturms sind wie geplant gefallen

MÜLHEIM-KÄRLICH. (jab) Der Einsturz des zuletzt nur noch 80 Meter hohen Kühlturms ist das spektakuläre Finale der mehrjährigen Abrissarbeiten des Ungetüms gewesen, das Jahrzehnte lang ein deutlich sichtbares Zeichen für ein gescheitertes Kernkraftprojekt in der Region gewesen ist.

Im August 1987 war das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich in Betrieb genommen aber schon im Jahr 1988 wieder abgeschaltet worden. Grund für die nur ein knappes Jahr dauernde aktive Betriebsbereitschaft des Kraftwerkes waren unter anderem die nicht ausreichend geprüfte Erdbebensicherheit, die später vom Bundesverwaltungsgericht als Grund für die fehlerhafte und somit ungültige Baugenehmigung genannt worden sind. Im Jahr 2001 reichte der Betreiber RWE schließlich den Antrag auf Stilllegung ein.

15.000 Tonnen Bauschutt

Mit dem Abbruch des Kühlturm ist zweifellos das augenfälligste Bauwerk am Rhein nördlich von Koblenz zu rund 15.000 Tonen Betonschutt geworden, der nunmehr aufbereitet und wiederverwertet werden soll.

Die obere Turmhälfte hatte seit Sommer 2018 ein eigens dafür konstruierter Abrissbagger mit einer Zange samt Zacken regelrecht „abgeknabbert“. Er arbeitete sich langsam auf der Mauerkrone des Turms entlang.

Im unteren Teil des Turmes konnte er allerdings nicht weiterarbeiten, da die Neigung zu groß wurde. Eine Sprengung des Turmrestes war nach RWE-Angaben unter anderem wegen der Nähe zum noch stehenden Reaktorgebäude nicht infrage gekommen.

Weitere Jahre für den Abriss des Reaktorgebäudes notwendig

Bis nun auch dieses einschließlich des danebenstehenden schlanken Turmes beseitigt werden können, wird nach Aussagen des Gesamtanlagenleiters Thomas Vollmer noch einige Zeit vergehen, bevor er dann Mitte des nächsten Jahrzehntes mit den letzten RWE- Mitarbeitern das jetzt schon teilweise von anderen Firmen belegte ehemalige Kernkraftgelände endgültig verlassen kann.

Am vergangenen Freitag waren eine Vielzahl von Menschen rund um das RWE-Gelände anzutreffen, die auf auf den nahegelegenen Straßen und Feldern in Mülheim-Kärlich, Weißenthurm und auf der gegenüberliegenden Rheinseite in Neuwied die endgültige Eliminierung des die Landschaft verschandelten Bauwerkes miterleben wollten.

Viele Schaulustige

Auf dem Gelände selbst, in gebührendem Abstand zum Ort des geschichtsträchtigen Geschehens, hatten sich neben Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Staatsministerin Ursula Höfken eine Vielzahlzahl von Medienvertretern eingefunden.

In einer von der Pressereferentin der RWE-Power AG, Dagmar Butz, herausgegebenen Mitteilung wurde noch einmal betont, dass der Rückbau des Kühlturms wohl einzigartig war.

Kontrollierter Abbruch

Weil die weitere Arbeit dieses Roboters aus diversen Gründen nicht mehr möglich war, wurde der Kühlturm danach durch gezielt gesetzte Schlitze in der Betonschale und durch aus Ausbrechen von 20 Kühlturmstützen so weit geschwächt, dass er schließlich am Freitagnachmittag gegen 15.37 Uhr durch den Stoß eines ferngelenkten Baggers gegen die Stützen zum Einsturz gebracht wurde.

Nikolaus Valerus vom RWE-Vorstand dankte Bauingenieur Olaf Day und seinem Team für die vorbereitenden Arbeiten, die exakt und qualifiziert schließlich von der Abbruchfirma umgesetzt worden waren.

„Der erfolgreiche Abriss zeigt, dass wir die komplexen Herausforderungen des Rückbaus von Kernkraftwerken sicher, verantwortungsvoll und planmäßig meistern können“, erklärte Valerus, der betonte, dass dieses Kernkraftwerk so zurückgebaut wurde, wie dies mit Bund und Land vereinbart worden war.

Und auch der Mülheim-Kärlicher Anlagenleiter Thomas Vollmer zeigte sich von dem unter Leitung von Olaf Day erfolgreich abgeschlossenen Verfahren beeindruckt und blickt nun erwartungsvoll in die nahe Zukunft: „Jetzt sind verstärkte Anstrengungen von uns nötig, um die weiteren Rückbaumaßnahmen insbesondere der Reaktorkuppel sowie der Entsorgung der schwach- und mittelaktiven Abfälle zügig u bewältigen“.

Für die Sicherheit hatten auch Thurer und Mülheim-Kärlicher Feuerwehrleute gesorgt und mit dem VG-Wehrleiter Arnd Lenarz, der zugleich auch Leiter der KKW-Werksfeuerwehr ist sowie mit dessen Stellvertreter Ralf Hauter und dem Mülheim-Kärlicher stellvertretenden Wehrführer Holger Henn das Geschehen aufmerksam beobachtet haben. Nachdem sich die entstandenen Staubwolken gelegt hatten, besichtigten sie den entstandenen Baukrater sowie die Unmengen von Bauschutt, wobei jedoch keinerlei Notwendigkeit für mögliche Maßnahmen bestand. Im Anschluss an dieses spektakuläre Ereignis waren sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer, ihre Kollegin Ursula Höfken mit dem für Kernenergiefragen zuständigen RWE-Vorstand, Nikolaus Valerus sowie Anlagenleiter Thomas Vollmer dahingehend einig, dass Olaf Day und seinem Team Dank für deren hervorragende perfekte Planung und für die ausgezeichnete Ingenieurleistung, einschließlich der perfekten Arbeit des Abbruchunternehmens ABM gebührt.

„Der Turm fiel so, wie dies von den Experten berechnet worden ist. Dafür waren innovative Ansätze notwendig, die erfolgreich eingesetzt wurden“, stellten die prominenten Zuschauer des effektvollen Schauspiels nahe der kleinen Wallfahrtskirche „Am Guten Mann“ zufrieden fest.

Artikel veröffentlicht am 13.08.2019 von Mitteilungsblatt für den Bereich der Verbandsgemeinde Weißenthurm 33 / 2019