An der Rampe beim Sägewerk in Hermeskeil stapeln sich derzeit Schienen und Schwellen der ehemaligen Hochwaldbahn in langen Reihen zum Abtransport.

Das endgültige „Aus“ für die Hochwaldbahn

Hermeskeil

Gleise zwischen Hermeskeil und Landesgrenze zum Saarland werden abgebaut

Unter der Überschrift „Hochwaldbahn wird abgebaut!“ meldete die „IG Nationalparkbahn Hunsrück-Hochwald“ am 20. März auf ihrer Facebook-Seite, dass die Hochwaldbahn von der saarländisch/rheinlandpfälzischen Landesgrenze bis zum Bahnhof Hermeskeil „zurückgebaut“ wird. „Dieser Rückbau ist nicht genehmigt“, hieß es weiter, und die „BI Bahn+Rad im Hochwald“ gehe auf allen Ebenen dagegen vor.

Die Polizei sei vor Ort gewesen, Aufsichtsbehörden seien eingeschaltet, Bahnvorstand und Konzernbevollmächtigter informiert und auch Landrat Günther Schartz. Man kämpfe gemeinsam mit der BI darum, „den Anschluss an die Nahestrecke in Türkismühle zu erhalten und solch ein fragwürdiges Vorgehen zu unterbinden.“ Dass der „Rückbau“ nicht genehmigt sei, wurde dann nach der ersten Aufregung diverser Kommentatoren in einem späteren Post relativiert.

Auf RuH-Anfrage hat eine Sprecherin der DB Netz zu der Angelegenheit Stellung genommen: Die „Hochwaldbahn“ zwischen Türkismühle und Trier Hbf sei „jenseits der Betriebsstelle Hermeskeil seit 1998 stillgelegt und abgebaut“. Dort sei mit dem Ruwer-Hochwald-Radweg ein „Meilenstein in der radtouristischen Erschließung der Region“ geschaffen worden. Der Abschnitt Türkismühle-Hermeskeil sei durch den Insolvenzverwalter des Pächters 2014 stillgelegt worden und an DB Netz zurückgefallen. Seither habe man sich bemüht, für diese Strecke „eine zukunftsgerichtete Weiterverwendung zu erschließen“. Leider seien die Versuche nicht erfolgreich gewesen. Stattdessen habe das Saarland im vorigen Jahr beschlossen, den 17,8 km langen Streckenabschnitt Türkismühle-Landesgrenze zu erwerben und dort einen Radweg zu errichten. Die Zukunft des verbleibenden 3,7 km langen Abschnitts von der Landesgrenze bis Hermeskeil sei seither offen.

Da zukünftig an beiden Enden dieses kurzen Streckenabschnitts kein Eisenbahnverkehr mehr möglich sein werde, habe DB Netz das Eisenbahn-Bundesamt und das Verkehrsministerium Rheinland-Pfalz um Genehmigung gebeten, die Gleisanlagen zurückbauen zu dürfen. Beide Behörden hätten sich aber „als nicht für die Genehmigung zuständig“ erklärt. „Aus Gründen der Verkehrssicherung“ habe DB Netz deshalb am 18.03.2019 „mit dem Ausbau (nicht mit Rückbau gleichzusetzen) der nicht mehr verwendbaren Gleise und Schwellen“ begonnen. Der „grundhafte Oberbau nebst Kabeln, Signaltechnik etc.“ bleibe dabei unberührt. Abschließend bemerkt die Bahn-Sprecherin: „Bei entsprechendem, ausreichenden Verkehrsinteresse können im verbleibenden Oberbau und Bahnkörper jederzeit erneut Oberbaustoffe eingebracht werden.“

Wenn auch die letzte Aussage eine künftige Nutzung für den Schienenverkehr nicht gänzlich ausschließt, dürfte doch mit dieser Maßnahme nun das endgültige „Aus“ für den noch verbleibenden Teil der Hochwaldbahn von Hermeskeil bis Türkismühle gekommen sein. Zwar versucht im benachbarten Saarland noch eine Bürgerinitiative „Bahn+Rad im Hochwald“, das Projekt - zumindest in der von der Landesregierung beschlossenen Form eines „Freizeitwegs“, für den die Bahngleise weichen sollen - zu verhindern. Stattdessen sieht man die Möglichkeit einer Doppelnutzung mit Draisinenverkehr; ein entsprechendes Konzept hat die BI im vergangenen Herbst der Landesregierung in Saarbrücken vorgelegt.

Allerdings dürften die Chancen für dessen Realisierung nur noch gering sein. Denn Presseberichten zufolge hat inzwischen die Naturland Ökoflächen-Management GmbH, eine Tochtergesellschaft der Naturlandstiftung Saar (NLS), die sich (laut Selbstauskunft im Internet) seit 40 Jahren erfolgreich für die Erhaltung, Entwicklung und Pflege der saarländischen Natur- und Kulturlandschaft einsetzt, die Strecke von Türkismühle bis zur Landesgrenze erworben und bereits mit den Bürgermeistern der drei betroffenen Kommunen Erbbaurechtsverträge abgeschlossen. Man wird im Saarland also eher nicht mehr von dem einmal eingeschlagenen Weg abrücken. WIL-

Artikel veröffentlicht am 28.03.2019 von Rund um Hermeskeil 13 / 2019