Auffälliger und seltener 16-mm-Filmprojektor aus den USA, Baujahr 1930. Der Victor Cine Projector Model 3 mit vier Spulen: Während ein Film motorisch vorgeführt wurde, konnte man mittels des anderen Spulenpaares auf der Rückseite per Handkurbel einen bereits gezeigten Film gleichzeitig wieder zurückspulen. Künftig im Deutschen Kameramuseum in Plech.
Das Zeiler Photomuseum war in der früheren Lateinschule und späteren “Kinderbewahranstalt” untergebracht. Der herrliche Vorgarten diente Jahre lang als Austragungsort der jährlich im Frühjahr stattfindenden europaweit bekannten Zeiler Fotobörse.
Das Lieblingsstück des Plecher Museumsleiters Kurt Tauber aus dem Zeiler Museum: ein “Photoatelier” aus den 1920er Jahren mit Laboratorium, liebevoll vom Zeiler Museumsleiter Dr. Gerhard Binder in den Jahren 1988 bis 1992 zusammengestellt aus handelsüblichem Puppenstubenzubehör.
Ein Prunkstück einst in Zeil und jetzt im Deutschen Kameramuseum in Plech: eine Kamera für die Straßenfotografie mit eingebautem Minilabor, vermutlich in den 1920er Jahren gefertigt in einer Tischlerei im Süden der Türkei. Sie diente zur Herstellung von "Sofortbildern" im Postkartenformat. Solche Kameras sind heute noch in Pakistan anzutreffen.

Das Zeiler Photomuseum ist Geschichte

Zeil

„Ausverkauf“ am 17. März 2019

Das Deutsche Kameramuseum in Plech hält das Andenken an Zeil aufrecht

Zeil am Main/Plech. 25 Jahre lang erfreute das Zeiler Photo- und Filmmuseum in dem wunderschönen historischen Gebäude der alten Lateinschule die Photographica-Freunde aus ganz Europa mit seiner bunten Sammlung mit teils sehr exotischen Exponaten. Die Zeiler Fotobörse im Frühjahr - in der nahen Schule und im großen Vorgarten unter freiem Himmel - war einst fester Bestandteil im Jahreskalender der Sammler und Händler. Doch dann wurde es still um das Zeiler Museum, immer öfter standen Besucher vor verschlossenen Türen, die Börse fiel aus.

Im Mai 2018 starb überraschend der Gründer und Leiter Dr. Gerhard Binder im Alter von nur 62 Jahren und im vergangenen Herbst musste sich der Zeiler Stadtrat dazu durchringen, das Museum offiziell zu schließen und aufzulösen. Ein Teil der Exponate ging bereits ans Deutsche Kameramuseum nach Plech, ein Teil wurde an Sammler verkauft, am Sonntag, 17. März 2019, werden die letzten Bestände - es sind noch Tausende Gegenstände aus der Welt der Fotografie - auf einer allerletzten Börse angeboten.

Dr. Gerhard Binder, ein Landarzt im unterfränkischen Zeil am Main, war in der Photographica-Szene bekannt wie ein bunter Hund und mit den europäischen Sammlern bestens vernetzt. Er investierte jede freie Minute und eine Menge Geld in seine Sammlung, die in der früheren Lateinschule und Kinderbewahranstalt 1993 eine Heimat fand und fortan öffentlich ausgestellt wurde und schnell weiter anwuchs. In den letzten Jahren konnte sich Binder krankheitsbedingt nicht mehr im gewohnten Umfang seinem Museum widmen, die Schar der Helfer wurde immer kleiner und so übertrug der Arzt das verbliebene Inventar 2016 für den Fall seines Ablebens an die Stadt Zeil am Main. Nach dem plötzlichen Tod des Museumsgründers sah sich der Stadtrat außer Stande, den Fortbestand des Museums aus personellen und fachlichen Gründen zu sichern. Zudem werden die Räume für andere öffentliche Einrichtungen benötigt.

Und so wurden von Bürgermeister Thomas Stadelmann die Fachleute vom Deutschen Kameramuseum in Plech und Ulrich Möller aus Litzendorf, ein guter Freund Binders und früherer Fotohändler, mit der „Abwicklung“ des Museums betraut.

Ein Teil der Exponate kam - auch auf Wunsch Dr. Binders - ins Deutsche Kameramuseum nach Plech, mit dem der Zeiler Museumsleiter in regem Austausch stand.

Nach der wirklich letzten Zeiler Foto- und Filmbörse am Sonntag, 17. März 2019 (10 bis 15 Uhr) wird dann das Zeiler Photomuseum endgültig Geschichte sein.

Weitere Infos: www.kameramuseum.de/zeil und www.kameramuseum.de/fotoboerse.

Kurt Tauber, Deutsches Kameramuseum
Fotos: Deutsches Kameramuseum (Andreas Wolf /Kurt Tauber)
Artikel veröffentlicht am 14.03.2019 von Zeiler Nachrichten. Amts- und Mitteilungsblatt der Stadt Zeil a. Main 6 / 2019