Besuch bei Freunden

Groß Bieberau

Groß-Bieberauer Delegation in der Partnergemeinde Montmeyran

„Es war mal wieder der übliche Lyon-Stau.“ Obwohl eine 13-stündige Busfahrt hinter ihnen lag, stiegen die fast 40 Groß-Bieberauer gegen 18.30 am Freitag vor Pfingsten vor dem Sales des Fetes in der Partnergemeinde Montmeyran frohgemut aus dem Bus aus, lagen doch wie üblich erlebnisreiche Tage unter Freunden vor ihnen. Empfangen wurden sie nicht nur von den Gastgebern, sondern auch von Groß-Bieberauern, die schon vorher per Zug und PKW angereist waren, darunter auch Stadtverordnetenvorsteher Bernd Führer. Ebenfalls schon vorher angereist war eine kleine Delegation der Bieberauer Feuerwehr. Nach der offiziellen Begrüßung im Festsaal ging es dann schnell zum Abendessen in die Familien.

Das offizielle Programm begann dann am nächsten Tag mit einer Sitzung der beiden Komitees, dort ging es unter anderem um die Vorbereitung des anstehenden Sommercamps, zu dem fast 25 Kinder und Jugendliche mit ihren Betreuern in der zweiten Juliwoche in den Odenwald reisen. Diese Camps sind fester Bestandteil des Programms im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Groß-Bieberau und den Gemeinden Montmeyran und La Baume-Cornillane im südfranzösischen Departement Drome, gilt es doch, die Idee des gemeinsamen Europas auch bei der Jugend einzupflanzen. Und im Anschluss an die Sitzung stand ein nicht so erfreulicher Termin auf dem dortigen Friedhof auf dem Programm, die Mitglieder beider Komitees würdigten den kürzlich verstorbenen ehemaligen Bürgermeister Jean-Marie Gorce. Den Samstagnachmittag verbrachten die Gäste aus dem Odenwald wie üblich in den Familien, das individuelle Programm ging dabei vom ausgiebigen, mehrstündigen Essen über Ausflüge nach Avignon und in den Luberon bis zum Bummel über den Mittelaltermarkt in der benachbarten Stadt Crest.

„Das ist ja ein verrückter Bau“, staunte Bernd Führer. Obwohl das Wetter am Sonntag alles andere als typisch war, nämlich kühl und regnerisch, war der Ausflug, den die Franzosen für diesen Tag organisiert hatten, wieder einmal etwas ganz Besonderes. Das Ziel war der ‚Palais Ideal‘ des Facteur Cheval. Der Landpostbote lebte von 1836 bis 1924 und schuf in jahrzehntelanger Arbeit aus überwiegend selbst gesammeltem Material von seinen täglichen Touren ein Phantasiegebäude, das an einen orientalischen Palast erinnert, Elemente verschiedener Weltreligionen vereint und in seiner ungewohnten, absonderlichen Skurrilität zunächst allenfalls belächelt wurde. Es dauerte aber nicht lange, bis die Besonderheit dieses surrealen Werkes unter anderem von Pablo Picasso gewürdigt wurde. Denn der nur scheinbar einfache Postbote hatte mit seiner überbordenden Fantasie und seinem umfassenden Wissen ein Denkmal der Humanität geschaffen. Nass, aber tief beeindruckt traten die Gäste aus dem Odenwald die Rückfahrt an und erlebten wieder eine Neuerung im Programm – ein Picknick im Saal. Witterungsbedingt musste nämlich die eigentlich geplante Freiluftveranstaltung ‚Gemeinsames Picknick‘ in den Sales des Fetes verlegt werden, was der prächtigen Stimmung aber nichts anhaben konnte. Dort klang dann auch das offizielle Programm am Abend bei Tanz und Musik aus. Vollbepackt mit neuen Eindrücken und etwas übermüdet –auch das ein gewohntes und vertrautes Merkmal der Besuche- ging es dann am Pfingstmontag gegen 9.00 auf die staufreie Rückreise.

Artikel veröffentlicht am 11.07.2019 von Groß-Bieberauer Anzeigeblatt 28 / 2019