BI Kreiskrankenhaus Wolgast e. V.

Wolgast

BI Kreiskrankenhaus Wolgast e. V.

Der marktgerechte Patient in der Krankenhausfabrik

Seit über drei Jahren bemüht sich die Bürgerinitiative für das Wolgaster Krankenhaus (BI) darum, Voraussetzungen zu schaffen, dass der ehemals gute Ruf des Hauses wieder hergestellt wird. Es geht um die umfassende Grund- und Regelversorgung für die Einwohner und Touristen in der Region Wolgast/Insel Usedom. Denn nach der Übernahme der Einrichtung aus der Trägerschaft des Landkreises durch die Uni-Medizin Greifswald zeichneten sich bald hohe Verluste ab, die durch verschiedene „Rationalisierungsmaßnahmen“ auf Kosten des Leistungsangebotes, des Personals und der Qualität reduziert werden sollten. Und dieser Prozess wird durch die Uni-Medizin Greifswald offensichtlich weiter fortgesetzt.

Dass allerdings solche Probleme nicht nur hausgemacht, sondern auch durch grundsätzliche Fehlentwicklungen im bundesdeutschen Gesundheitssystem bedingt sind, belegt der kürzlich erschienene Film „Der marktgerechte Patient“, den die BI am 7.3. im Wolgaster Museum zeigen wird. Dazu sind auch alle interessierten Bürger für einen geringen Unkostenbeitrag eingeladen. Es ist eine Dokumentation über die zunehmend profitorientierte Gesundheitsversorgung in Deutschland. Beeindruckend und Furcht erregend schildern in diesem Film Mediziner, Pfleger und Patienten den Alltag in Kliniken. Personalmangel, Stress, Investitionsstau und oft nicht ausreichende Vergütungen der Krankenhausleistungen nach Einführung der so genannten Fallpauschalen führten zu Qualitätsverlusten in der Patientenversorgung und zur Schließung von Abteilungen oder ganzen Häusern. Andere überschuldete Einrichtungen wurden privatisiert, wodurch die Wirtschaftlichkeit noch stärker in den Vordergrund rückte. Privatkliniken erzielen Gewinnmargen von 10 bis 12 Prozent und das aus den Krankenkassenbeiträgen der Bürger! Im Film werden auch tragische Patientenschicksale gezeigt, wie sie mancher von uns selbst erlebt oder im Bekanntenkreis davon erfahren hat.

Der Film zeigt jedoch auch engagierte Bürgermeister oder Klinikleitungen, wie in München oder Dortmund, die sich für eine menschenwürdige und soziale Gesundheitsvorsorge einsetzen, wofür vom Gesetzgeber allerdings oft Grenzen gesetzt sind.

Hier müssen wir eigene Initiativen entwickeln, für die wir den Präsidenten der Ärztekammer hinter uns wissen. Er sagte: „Es muss zwingend umgesteuert werden, wenn das Gesundheitssystem nicht gegen den Baum gefahren werden soll. Veränderungen sind nötig, damit Ärzte ihrem Auftrag gerecht werden können und nicht zu Handlangern des Kommerzes werden.“ Dagegen bremste unser Wirtschafts- und Sozialminister Glawe kürzlich: „Eine generelle Umsteuerung im Gesundheitssystem ist in naher Zukunft nicht zu erwarten, dafür sehe ich keine politischen Mehrheiten.“ Unsere Aufgabe sollte es sein, nun neben unseren regionalen Forderungen durch unspektakuläre Aktivitäten ihm diese „politischen Mehrheiten“ zu verschaffen (Wichtige Schwerpunkte: Bürgerversicherung statt „Zweiklassenmedizin“, Rekommunalisierung statt Privatisierung, vollständige Finanzierung der Krankenhausversorgung, gesetzliche Personalbemessung und volle Refinanzierung der Personalkosten, Landesplanung nach Bedarf und nicht nach betriebswirtschaftlichen Kriterien u. s. w.). In Wahlzeiten sind Politiker ja sensibler für Aktivitäten im Wahlvolk! Die Filmaufführung könnte ein Auftakt dafür sein.

Termin: 7. März 2019 18:30 Uhr Museum Wolgast.

Dr. Walter Klingner

Artikel veröffentlicht am 15.02.2019 von Der Amtsbote Am Peenestrom 2 / 2019