Heuernte: Beim Heuwenden
Beim Beschlagen der Pferdehufe.
Pause bei der Kartoffelernte
August Klapp (Riegets), früher Unter der Linde 4, beim Transport von Basalt -Pflastersteinen vom Erlenloch zum Bahnhof Weimar. Ein willkommenes „Zubrot“ für die Landwirte.
Willi Guthof (Heipels) mit dem ersten Mähdrescher in Weimar.

Arbeitskreis Weimar, Geschichte und Geschichten

Ahnatal

Vor Jahren veröffentlichte der Arbeitskreis eine Serie über den Strukturwandel in der Landwirtschaft in Weimar in Text und Bildern von den 20er Jahren bis in die 60er Jahre.

Wir wollen diese wissenswerten Informationen zur Dorfgeschichte nochmal in Erinnerung rufen.

Vom Klepper zum Schlepper
von Wilfried Zaun †
Strukturwandel in der Land-wirtschaft von den 1920er Jahren bis in die 1960er Jahre

Bericht in 3 Teilen

Neben Erläuterungen veröffentlichen wir aus der Weimarer Landwirtschaft einige Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten.

Teil 2

Vom Ackermann zum Landwirt

Während es bis zum Jahr 1919 die Berufsbezeichnung „Ackermänner” gab, wurden ab jetzt die Bauern „Landwirte” genannt. Hilfskräfte der Landwirte waren weiterhin Knechte und Mägde, die auf dem Hof wohnten und gegen ein geringes Entgelt alle anfallenden Arbeiten im Stall, auf dem Hof und auf dem Feld verrichten mussten.

Besonders in der Erntezeit wurden auch die sogenannten „Arbeitslüde” als Hilfskräfte zur Arbeit auf dem Feld herangezogen. Dies waren Tagelöhner-Familien, die selbst nur eine Ziegen und wenig Land besaßen. Sie mussten für die Feldbestellung „ihres” Bauern in Anspruch nehmen. Auch das Holz aus dem Wald und die Kohlen vom Bergwerk (zum Teil besorgte dies bereits der Darlehenskassen-Verein, der die Kohlen per Eisenbahn kommen ließ) musste ihnen der Bauer nach Hause fahren.

Im Gegenzug halfen dann meist die Frauen der Tagelöhner dem Bauern beim Kartoffelhacken und -ernten, Rüben verziehen usw.

Dabei ging es trotz schwerer Arbeit lustig zu, denn „uffem Felle” wurden immer die neuesten Nachrichten (sprich Dorfklatsch) ausgetauscht.

Weniger lustig gingen die Tagelöhner am Jahresende zur Abrechnung zum Bauern, denn dort mussten sie meist noch Geld mitbringen.

Ein Beispiel für die gegenseitige Verrechnung: Die vollständige Aussaat eines Ackers (Pflügen, Eggen usw.) durch den Bauern war gleichwertig mit 6 - 7 Tagen Hilfe durch den Tagelöhner.

Getreideanbau / Kartoffel- und Futterrüben

Nach dem Aussäen des Getreides - bevor die ersten, mit Pferde- oder Kuhgespannen bewegten Sämaschinen aufkamen - war das auch eine Arbeit, die von Hand ausgeführt werden musste. Eine mit dem Saatgut gefüllte Wanne wurde mit einem um den Hals gelegten Gurt vor den Bauch gehangen und die Körner mit gleichmäßigen Bewegungen mit der Hand auf den gut vorbereiteten Ackerboden gestreut.

Später dann, wenn die Saat aufging, konnte man sehen, ob der „Sämann” seine mühsame Arbeit auch ordentlich verrichtet hatte.

So verging die Zeit und eines Tages im Herbst begann die Erntezeit. Nun regierten Sichel und Sense den Tagesablauf. Die mit der Sense abgemähten Getreidehalme wurden mit der Sichel zusammengezogen, mit den aus den Halmen gedrehten Strohseilern zu Garben zusammengebunden und dann zum Trocknen zu Haufen von neun Garben zusammengestellt.

Je nach Wetterlage wurden diese dann nach einigen Tagen auf Leiterwagen, die mit einer Plane ausgelegt waren, geladen und in den Scheunen eingelagert.

Die Ernte der Tagelöhner wurde zum Dreschplatz im Dorf gebracht.

Der Fortschritt kommt

Aber bereits ab dem Jahr 1900 (etwa) kam auch der Fortschritt zu den Landwirten ins Dorf. Von Pferden oder Kühen gezogene Mäher lösten die Arbeit mit der Sense ab und sorgten für Erleichterung der Menschen. Aber es wurde auch ein wenig ruhiger am Abend im Dorf, da der vertraute Klang der Sensenhämmer beim Dengeln der Sensen an warmen Sommertagen fast gänzlich verschwunden war.

Ab etwa 1930 tauchten in den größeren Betrieben die ersten Selbstbinder auf. Das Ausdreschen übernahmen bald die mit Dampfmaschinen angetriebenen Dreschmaschinen; so hatten die Dreschflegel ausgedient. Auch die Knochenarbeit mit Sichel und Sense war vorbei.

Um 1930 gab es in Weimar 88 Bauernhöfe, wovon 33 mit Pferdegespannen als Vollerwerbslandwirte zu bezeichnen waren. Die restlichen betrieben ihre Landwirtschaft überwiegend nebenberuflich mit Ochsen- oder Kuhgespannen.

Einige Bauern waren im Winter zusätzlich als Hausschlachter tätig oder erbrachten Fuhrleistungen für Forst, Straße oder Bau.

Noch im Jahr 1955 lieferten ca. 120 Rundviehhalter Milch in Einzel-mengen von 2 bis über 100 Liter an die Molkerei ab.

Entwicklung der Viehhaltung in Weimar

Von 1950 bis 1966

Die Kriegszeit und die Nachkriegszeit mit den zerbombten Städten und Fabriken unterbrach nun für lange Jahre die Weiterentwicklung von Maschinen und modernem Gerät für die Landwirtschaft, es wurden nun Schwerter statt Pflugscharen gebraucht.

Hinzu kam noch der Mangel an Treibstoff.

Alle Arbeiten mussten nun weiterhin mit Pferde- oder Kuhgespannen erledigt werden.

Das war nicht nur das Bearbeiten, Pflügen und Eggen der Felder, das mit den eisenbereiften Ackerwagen aus den umliegenden Wäldern abzufahrende Brennholz zum Kochen und Heizen der Wohnräume und den als Dünger verwendeten Stallmist, die großen Fässer mit Jauche und so vieles mehr.

Das alles war auch für die Zugtiere keine leichte Arbeit.

Einwohner des Dorfes ohne eigenen Landbesitz waren in dieser Zeit „arm dran”. Um ihre Familien (mit oft vielen Kindern) ausreichend ernähren zu können, waren sie auf gemeindeeigenes oder kircheneigenes Pachtland angewiesen.

So geht aus einer Aufstellung aus dem Jahr 1919 hervor, dass 118 Bürger Weimars einen Antrag auf (wahrscheinlich) gemeindeeigenes Ackerland gestellt haben.

Zur Verfügung standen 138 Morgen, gewünscht wurden aber ca. 250 Morgen (Acker rd.2.500 m²).

Nach Unterlagen aus dem Jahr 1933 wurden in der Gemarkung Weimar 698,54 Hektar Land bewirtschaftet. Diese Fläche war damals Eigentum oder Pachtland von 336 Familien oder Einzelpersonen.

Für die Versorgung des Viehbestandes - zumeist Ziegen - wurden die mit Gras bewachsenen Ränder wenig befahrener Feldwege von der Gemeinde verpachtet. Für einige Reichsmark konnte man diese ersteigern.

Mit einer Sense wurde das Gras dann abgemäht und mit dem Handwagen nach Hause befördert.

So waren alle diese Arbeiten nur in mühevoller Handarbeit zu bewältigen. Doch viele Arbeiten, wie z.B. das Umpflügen des Landes (der Äcker) waren nur mit Hilfe von Pferde- oder Kuhgespannen möglich.

Da aber nur die Bauern des Dorfes über solche Gespanne verfügten, mussten diese solche Arbeiten übernehmen. Als Gegenleistung mussten, zumeist die Frauen, Arbeiten in deren landwirtschaftlichen Betrieben übernehmen.

Die Kosten wurden zumeist gegen Ende des Jahres abgerechnet. Da für das Heimholen von Getreide oder zum Dreschplatz zu fahren, z.B. 5 RM berechnet wurden, der Arbeitstag einer Frau in der Getreideernte aber nur mit etwa 1,50 bis 2,-- RM entlohnt wurde, mussten die meisten Familien noch einiges Geld zuzahlen.

Noch einige Bilder aus der Landwirtschaft vergangener Jahrzehnte:

Zur 900-Jahr -Feier in 1997 erinnerte man an die „alten Zeiten“.

Teil 3 folgt am 19.07.2019

Artikel veröffentlicht am 12.07.2019 von Blickpunkt Ahnatal 28 / 2019