Zelte, so weit das Auge reicht.
Jeanette (r.) aus Greifswald ist zum 10.ö Mal am Ring, hier mit Mandy auf dem Zeltplatz Schwalbenschwanz.
Massenbewegung: auf zum Konzert.
Warum Bier aus der Dose trinken, wenn es auch anders geht.
Partystimmung in der Eifel.

Abseits der Bühnen am „Ring“

Adenau

NÜRBURGRING. AGP. Unglaublich: Der junge Mann wedelte mit einem dicken und fetten Bündel Banknoten in die laufende Kamera des Fernsehteams. Tausende Euro habe er kassiert. Und das lediglich mit leeren Bierdosen. Es ist nicht das erste Mal, dass er bei Rock am Ring gleich von Beginn an mit riesigen Plastiksäcken Dosen sammelt. Von insgesamt 20.000 Euro in den vergangenen Jahren ist die Rede. Aber es ist auch Knochenarbeit.

Leichter machen es sich einige andere, die ebenfalls vom gigantischen Rock-Festival in der Eifel profitieren. Sie haben es sich in der Nähe des Haupteinganges bequem gemacht, neben sich übergroße Plastiktaschen, die von den Rock-Fans mit den geleerten Büchsen gefüllt werden. Überhaupt spielt Bier auch eine große Rolle bei Rock am Ring. Kaum ein Besucher, der nicht mit einer Bierdose in der Hand herumspaziert. Dazu eine Armee von Bollerwagen, auf denen sich die Paletten mit Gebrautem türmen. Da verwundert es nicht, dass der eine oder andere Besucher schon in den Vormittagsstunden vor der eigentlichen Veranstaltung mächtig schwankend durch die Zeltlager und Parkplätze pirscht.

Sorgen, zu verdursten, muss sich beim großen Fest keiner machen. Immer wieder wird man, wenn ohne Bierdose unterwegs, angesprochen, ob man nicht einen mittrinken möchte. Auch Einladungen, sich am Grill mit einer Bratwurst oder einem Steak zu stärken, sind an der Tagesordnung. Wäre der Beobachter jeder Aufforderung gefolgt, er hätte sich in kürzester Zeit nudeldick vollessen können. Und damit nicht genug. Auch ein handfester Rausch wäre ihm sicher gewesen.

Erstaunlich dabei, dass selbst schwer angetrunkene Gäste nicht einmal ausfallend wurden. Auf Unverständnis stieß lediglich die Tatsache, dass man das angebotene Pils dankend ablehnte. Beinahe hatte man das Gefühl, dass hier jeder jeden bereits persönlich kannte. Tolle Stimmung und unglaublich viele fröhliche Menschen. Rock am Ring verbindet. Das Sprachengewirr ist erstaunlich. Die Besucher kommen zum Teil von weit her, und nicht nur aus deutschen Landen. Das Paar aus Nordspanien ist bereits zweimal hier gewesen, die vier jungen Männer aus Finnland waren fast drei Tage unterwegs.

Leider nutzen auch einige miese Typen das verbindende Festival, um sich durch Gaunereien zu bereichern. Dennis und Lisa, ein junges Paar aus Frankfurt, kann ein Lied davon singen. Bereits am Mittwoch angereist, ließen sie sich von einem vermeintlich besonders freundlichen Helfer auf einem Platz im B-Bereich einweisen. Er müsse noch kurz ihre Tickets kontrollieren, was die Frankfurter leider nicht stutzig machte. Er gab ihnen das Kuvert mit den Karten zurück und verabschiedete sich höflich. Dabei hatte der falsche Einweiser eine der Karten gestohlen. Die von der herbeigerufenen Polizei sofort ausgelöste Fahndung verlief ergebnislos. Ein Happy End nahm die Geschichte aber. Der Veranstalter ersetzte die Karte kostenlos.

Weniger Glück hatte ein junger Mann aus Köln, dem man seine Reisetasche entwendet hatte. Darin befanden sich lebenswichtige Medikamente, auf die er wegen einer schweren chronischen Krankheit angewiesen ist. Die Besatzung eines haltenden Rettungswagens wusste keine Abhilfe. Letztlich war es die Polizei in der Zentrale am Eingang des alten Fahrerlagers, die sich des Betroffenen annahm. Beliebtes Ziel von Ganoven waren auch Handys. Da meldeten sich gleich mehrere Fest-Besucher, die man bestohlen hatte.

Gutes berichten die für die Bewachung der Parkplätze eingesetzten Helfer, die im Laufe des Festivals einen Knochenjob zu leisten haben. Die Rock am Ring-Fans wissen das augenscheinlich zu würdigen, suchen das Gespräch und versorgen die Ordner gerne mit fester und flüssiger Nahrung. Immer wieder sprechen sie ihren Dank aus, dass man ihnen hilft, eine wunderbare Veranstaltung genießen zu können. Guter Rat ist immer wieder gefragt, gerne geben die Ordner Auskunft wo der richtige Zeltplatz zu finden ist, wo es zum Supermarkt geht und wo die Armbänder ausgegeben werden.

Auf den Zeltplätzen herrscht derweil rund um die Uhr Partystimmung. Grilldüfte ziehen über das Gelände und überall wummert und dröhnt Musik. Viele Besucher haben ihre eigene Disco mitgebracht, Hobby-DJ’s sorgen zusätzlich für Stimmung. Und es ist nicht nur Rock-Musik, die über die Plätze wabert. „Rivers of Babylon“ ist ebenso zu hören wie der Klassiker „House of rising Sun.“ Und zu späterer Stunde ist aus einem Zelt verhalten zu hören, was der Spaziergänger und Beobachter hier eigentlich nicht erwartet hat. Mozarts „Kleine Nachtmusik!“

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Artikel veröffentlicht am 13.06.2019 von Adenauer Nachrichten 24 / 2019